Twitter-Alternative: Was bringt „Mastodon“ für Architekt:innen und die Architektur­kommunikation?

Welche Bedeutung hat die Twitter-Alternative "Mastodon" für Architekt:innen und die Architekturkommunikation? Wir sind schon vor Ort und werden berichten! (Collage: Internet für Architekten)

Welche Bedeutung hat die Twitter-Alternative „Mastodon“ für Architekt:innen und die Architekturkommunikation? Wir sind schon vor Ort und werden berichten! (Collage: Internet für Architekten)

Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk ist die Twitter-Alternative „Mastodon“ für viele Social Media-Nutzer:innen attraktiv geworden. Mastodon wird nicht zentral von einem kommerziell ausgerichteten Unternehmen angeboten.

Statt dessen ist es ein dezentrales Netzwerk, das als Open Source-Software auf unzähligen, voneinander unabhängigen Servern läuft. Die Mastodon-Server werden auch „Instanzen“ genannt.

Trotz der dezentralen Struktur des freien Social Networks können alle Mastodon-Nutzer:innen miteinander interagieren, egal bei welchem Server sie ihr Mastodon-Konto eingerichtet haben bzw. nutzen.

Noch mehr neue Begriffe: Mastodon ist Teil des „Fediverse“

Die Mastodon-Instanzen sind Teil des sogenannten „Fediverse“, also mit anderen sozialen Netzwerken verbunden. Der Begriff – zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „Federation“ und „Universe“ – steht für ein weltweites Netz aus „voneinander unabhängiger sozialer Netzwerke, Mikroblogging-Dienste und Websites für Online-Publikation oder Daten-Hosting“ (Wikipedia).

Welche Bedeutung hat Mastodon für Architekt:innen und die Architektur­kommunikation?

Die kurze Antwort: Ich weiß es nicht.

Momentan sind auf Mastodon – zumindest bei meinen stichprobenartigen Suchen – im Vergleich zu Twitter noch extrem wenige Akteur:innen aus der Bau-, Immobilien- und Architekturszene unterwegs. Aber das könnte sich bald ändern.

Viele Twitter-Nutzer:innen befürchten, dass sich die Umgangsformen und die Diskussionskultur durch die Musk-Übernahme dort weiter verschlechtert. Denn schon bevor Musk seine 44 Milliarden Dollar aufbot, um das Social Network zu übernehmen, war der Ton auf Twitter rauer geworden.

(Ich selbst bin seit 2007 auf Twitter und schreibe seit vielen Jahren über die Vorteile der Plattform. Und ja: Früher war vieles besser, irgendwie kuscheliger und kollegialer. Heute kommt auf einen subjektiven Tweet schnell mal ein derber Spruch. Das gefällt nicht jedem, mir auch nicht – was dazu führt, dass ich fast nur noch neutrale, sachliche Tweets schreibe.)

Die Ankündigungen von Musk der letzten Tage und Wochen lassen beispielsweise vermuten, dass die bisher teils strikte Content Moderation (u. a. das Löschen von extremistischen Inhalten) in Zukunft laxer gehandhabt werden könnte – zur Freude von extremistischen Usern, die dann auf der Plattform peu à peu mehr Sichtbarkeit bekämen. Auch von einem radikalen Stellenabbau (bis zu 75 % der Jobs) war schon die Rede. Aber vielleicht kommt es alles anders.

Größere Planungsbüros, Verbände und Institutionen sollten sich Mastodon genauer anschauen!

Wie auch immer sich Twitter entwickeln wird: Eigentlich betrifft die oben beschriebene Polarisierung „nur“ den politischen bzw. gesellschaftlichen Diskurs. „Unsere“ Fachbereiche – Architektur, Stadtplanung und Immobilien waren davon – so zumindest mein Eindruck – in den letzten Jahren eigentlich wenig zu spüren. (Und in den Nischen wie der Architekturkommunikation oder der Bubble, die sich mit der Digitalisierung im Planungsbüro beschäftigt, war von Hate Speech etc. meiner Erfahrung nach zum Glück auch wenig bis nichts zu lesen.)

Dennoch könnte es wichtig werden, auch auf Mastodon Flagge zu zeigen, besonders für größere Büros (die Wert auf Sichtbarkeit bei Multiplikator:innen legen und aktiv Pressearbeit betreiben), Berufsverbände oder Institutionen. Denn FALLS sich Twitter durch den Eigentümerwechsel vom letzten Freitag nun in eine wüste „digitale Schmuddelecke“ verwandeln sollte, wird der Kurz­nachrichten­dienst seine Alleinstellung als wichtigste Verlautbarungs­plattform im Netz für viele Politiker:innen, Multiplikator:innen und Journalist:innen verlieren.

Das beträfe dann früher oder später auch unser Branche und die Architektur­kommunikation. Und vielleicht werden dann die Mastodon-Server – gerade wegen ihrer dezentralen und vor allem nicht-kommerziellen „Architektur“ sowie der Abwesenheit von werbefreundlichen Algorithmen – zu einem perfekten Ort für spannenden und fairen Austausch innerhalb unserer Branche, der einen wirklichen Mehrwert für alle Beteiligten bietet!

Daher mein Tipp: Es kann nicht schaden, schon heute einen (kostenlosen) Account auf Mastodon anzulegen und (zumindest sporadisch) zu pflegen. Sollte Mastodon dann in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, ist man vor Ort und findet auch hier sein Publikum. Allerdings: Meine persönliche Mastodon-Erfahrung ist aktuell nur ein paar Stunden alt, daher möchte ich hier keine Tipps und Ratschläge geben.

Was ich berichten kann: Ich habe mir heute für dieses Online-Magazin, für meine Architektur-Plattform architekturmeldungen.de sowie für meine Beratungsagentur ericsturm.de verschiedene Mastodon-Accounts bei mastodon.social, einem großen, in Deutschland gehosteten Server, angelegt. Das ging schnell und macht jetzt schon Spaß. Ein bisschen wie Twitter damals, 2007.

Weitere Informationen zur Funktionsweise von Mastodon: joinmastodon.org/de/servers

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