Architekt*innen auf Clubhouse: Potential für Fachgespräche, Architektur­kommunikation und Baukultur-Vermittlung

Für Medienschaffende und Protagonist*innen aus der Internet-Szene ist Clubhouse die Social Media-App der Stunde. „Irgendwo zwischen Podiumsdiskussion und Telefonkonferenz“ charakterisiert Deutschlandfunk Kultur die Anwendung.

Die Neugier und der Andrang im App Store ist groß: „Zu Wochenbeginn hat die Audio-App den populären Messengerdienst Telegram von Platz zwei der Liste der am häufigsten heruntergeladenen Gratis-Anwendungen im App Store von Apple verdrängt“ so die Tagesschau am 19.01.2021 über den Audio-Hype der Stunde.

Welche Möglichkeiten bietet die Audio-App für Architektinnen und Architekten?

Wird eine neue Social Media-Sau durchs virtuelle Dorf getrieben, stellt sich hier auf „Internet für Architekten“ natürlich umgehend die Frage: Wie können Architekt*innen die App nutzen? Und die zweite Frage: Gibt es auf Clubhouse schon Akteure aus den Bereichen Bauwesen, Architektur und Baukultur? (Klare Antwort: Ja, es füllt sich langsam …)

Architektur auf Clubhouse? Gute Idee! Die Audio-App bietet Raum für Themen aller Art (Foto: Internet für Architekten)

Architektur auf Clubhouse? Gute Idee! Die Audio-App bietet Raum für Themen aller Art (Foto: Internet für Architekten)

Doch zur ersten Frage: Das Prinzip der unkomplizierten, distanz-unabhängigen Gespräche zwischen zwei, zehn oder 1.000 Personen liesse sich meiner Ansicht nach bestens auch in unserer Branche nutzen. Sei es für Fachgespräche zwischen Gleichgesinnten in einem bestimmten Themenbereich, spontane Talks nach Feierabend zwischen Kolleg*innen, Studierenden, aber auch für den (in allen Medien) noch viel zu selten stattfindenden Austausch zwischen Architekturschaffenden und der allgemeinen Öffentlichkeit.

Clubhouse bietet Kommunikations-Chancen u. a. für Architektenkammern, Bauindustrie und Berufsverbände

Ich denke, auch Institutionen aus der Bau- und Architekturwelt, also Berufsverbände (BDA, bdia, …), Architektenkammern, Architekturfakultäten oder Lehrstühle, Interessengruppen (z. B. die regionalen BIM-Cluster) oder Stiftungen usw. könnten Clubhouse nutzen (bzw. andere Apps dieser Art, die es in Zukunft sicher noch geben wird), um Podiumsgespräche, Architekturvorträge oder Frage-und-Antwort-Runden zu aktuellen Themen zu veranstalten.

Spontan fallen mir z. B. HOAI 2021, die Bauvorlageberechtigung für Innenarchitekt*innen, der Dauerbrenner BIM, die Personalgewinnung, das Arbeiten unter Corona-Bedingungen und viele andere Themen ein.

Was ebenfalls spannend sein könnte: Gespräche zwischen Bauindustrie und Planer*innen. Hier könnten die eher informellen, leicht zu organisierenden Audio-Events eine gute Ergänzung zu den bisher üblichen Vortragsveranstaltungen, (Online-)Symposien und Kongressen sein.

Alternative für Architekturkommunikation und Networking im „Lockdown-Modus“

Gerade jetzt in Lockdown-Zeiten wäre die Architekturkommunikation im „Lockdown-Modus“ via Clubhouse eine unkomplizierte Alternative zu Webinaren und Livestreams.

Architekturbüros oder Verbände könnten in Eigenregie reine Audio-Vorträge veranstalten und Expertengespräche organisieren. Dabei können zwar keine bunten Bilder gezeigt werden, doch vielleicht hilft das, um bestimmte Konzepte und Entwurfsansätze besser zu vermitteln als bei aufwändigen (übrigens auch in der Vorbereitung) multimediale Präsentationen. Spontane Presse-Events oder Hintergrundgespräche mit Journalist*innen via Clubhouse hätten sicher auch ihren Reiz. Ein wunderbares Experimentierfeld.

Eigene Clubhouse-Events ankündigen

Wenn Sie selbst eine Gesprächsrunde, eine Podiumsdiskussion o. ä. auf Clubhouse veranstalten und Leute aus der Bau- und Architekturbranche darauf hinweisen möchten, können Sie die Veranstaltung gerne in unserem Webinar- und Livestream-Kalender kostenfrei ankündigen.

Das Formular zum Eintragen Ihres Clubhouse-Events finden Sie hier: internet-fuer-architekten.de/webinare/eintragen

Egal, mit welchen Themen man sich via Audio beschäftigt, passiv zuhörend oder aktiv sprechend: Hier entsteht bzw. etabliert sich momentan eine neue Social Media-Gattung. Und es werden sicher weitere Anbieter folgen, z. B. wird bei Twitter gerade an Twitter Spaces gewerkelt.

Das Besondere an dezentralen Audio-Treffen ist, dass sie den Nutzer*innen wesentlich mehr Flexibilität als andere Medien und Formate ermöglicht: Clubhouse-Events statt Radiohören während der Arbeit (geht nur bei bestimmten Tätigkeiten, klar), beim Putzen, Spazierengehen oder Joggen, und natürlich auf dem Sofa. Da ist vieles möglich. Und das Prinzip passt in Lockdown-Zeiten gut in unser räumlich-physisch reduziertes Sozialleben.

Tipp: Die Internet-fuer-Architekten.de-Kaffeepause auf Clubhouse

Ein erster Testballon in eigener Sache: Am Donnerstag, 04.02.2021 beantworte ich ab 10:15 Uhr Fragen von Leser*innen auf Clubhouse. Hier der Link zum Event. Wir hören uns!

Clubhouse-Event: Die „Internet-fuer-Architekten.de“-Kaffeepause (Screenshot: Eric Sturm)

Clubhouse-Event: Die „Internet-fuer-Architekten.de“-Kaffeepause (Screenshot: Eric Sturm)

Link-Tipps zu Clubhouse

Wie funktioniert Clubhouse überhaupt?
Die Funktionsweise der App und den Medien-Hype der letzten Tage und Wochen beschreibt Marcel Weiss hier in einem Blog-Beitrag auf neunetz.com, Tipps zur Nutzung gibt auch Marcus Schwarze hier auf dirico.io

Hinweise zur Datenschutzproblematik der neuen App (Clubhouse versucht wie viele andere Apps, auf die Kontakte bzw. das Adressbuch der Smartphone-Nutzer*innen zuzugreifen) gibt dieser Beitrag auf Tagesschau.de

Ausrüstung / Technische Ausstattung: Wer wissen möchte, welche Ausrüstung erforderlich ist, um bei den Audio-Sessions akustisch optimal rüberzukommen sollte diesen Beitrag von Volker Weber lesen.

Das Hochschulforum Digitalisierung geht der Frage nach, wie Hochschulen die neue App nutzen können und welche Vor- und Nachteile es bei Clubhouse in Sachen Datenschutz gibt.

So können Sie in der Clubhouse-App einen eigenen Club anlegen

Ergänzung vom 08.03.2021

Seit dem letzten Update von Clubhouse am 05. März 2021 können sogenannte „Clubs“ direkt in der App angelegt werden. Zuvor war dafür ein relativ umständlicher und langwieriger Prozess über ein externes Formular erforderlich.

Einer der Vorteile eines Clubs auf Clubhouse ist aus meiner Sicht, dass Follower des Clubs auf anstehende „Räume“ (also geplante Gespräche unter dem Dach dieses Clubs) hingewiesen werden und man so die Reichweite seiner Talks auf Clubhouse steigern kann.

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Einen eigenen Club in der Clubhouse-App anlegen: So geht’s (Foto: Internet-fuer-Architekten.de)

Um einen eigenen Club innerhalb der Clubhouse-App zu eröffnen, gehen Sie in Ihrem Profil einfach unten auf das graue „+“-Symbol und folgen den Anweisungen. Neben den Club-Details wie Name, Themen (Topics) und der Beschreibung des Clubs lassen sich auch sog. „Club Rules“ hinterlegen. Neue Mitglieder des Clubs müssen diese bestätigen, bevor sie als Club-Mitglieder zugelassen werden.

Einschränkungen beim Anlegen und Betreiben von Clubs auf Clubhouse

Wie es scheint, gibt es – zumindest momentan – noch einige Einschränkungen beim Eröffnen eines Clubs: So schreibt Tijn Noords auf Medium, dass man bereits einige Zeit Clubhouse aktiv genutzt (und dabei auch bereits eigene Räume angelegt) haben muss, um einen eigenen Club in der App zu eröffnen. Auch gebe es zur Zeit noch nicht die Möglichkeit, einen Club später umzubenennen oder ihn zu löschen (!). Beta-Version eben 😉


 

Was ist Ihre Meinung zu Clubhouse? Ich freue mich auf Ihr Feedback und Tipps zu interessanten Branchen-Events (unten in den Kommentaren)! 🙋‍♂️

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Wichtige Hinweise: Die Vollständigkeit und Richtigkeit der hier aufgeführten Daten können wir leider nicht garantieren. Bitte überprüfen Sie alle Angaben immer auf den Seiten der jeweiligen Anbieter. Und: „Internet für Architekten“ ist NICHT der Veranstalter der hier genannten Webinare. Wir weisen hier lediglich auf diese Veranstaltungen hin.

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