Wettbewerbsbetreuer Andreas Sattler: „Mehr als zwei Bilder brauche ich nicht“

Häufig beklagen Architekturbüros die unqualifizierte Beurteilung ihrer Referenzen: Auslober und Wettbewerbsbetreuer seien entweder nicht ausreichend qualifiziert oder nähmen sich viel zu wenig Zeit, ein Büro und seine Projekte angemessen zu bewerten.

Wettbewerbsbetreuer Andreas Sattler

Wettbewerbsbetreuer Andreas Sattler

Die Journalistin Myrta Köhler befragte für einen Beitrag des Magazins Competition (Ausgabe 14) deshalb einen Wettbewerbsbetreuer, der aus erster Hand von der Situation hinter den Kulissen berichtet: Die FALTIN+SATTLER FSW Düsseldorf GmbH hat seit der Bürogründung im Jahr 2002 über 100 Projekte betreut. Bei nahezu allen war das Büro in die Auswahl der Teilnehmer am Vergabeverfahren involviert.

Herr Sattler, wie viele Büros schlagen Sie pro Jahr vor?

Etwa 150 bis 250 – die Menge hat mich selbst erstaunt, als ich die Zahlen heute nochmals überschlagen habe!

Wie kommt man auf Ihre Shortlist?

Das hängt von Aufgabe und Verfahrensart ab.

Gehen Sie bei Projekten mit gesetzten Teilnehmern jedes Mal frisch und frei auf die Suche nach geeigneten Büros oder setzen Sie auf bewährte Büros?

Die Büroszene ist sehr veränderlich, deshalb beginnen wir tatsächlich fast jedes Mal von Neuem.

Wie werden die Auswahlkriterien für gesetzte Teilnehmer bei Teilnahmewettbewerben zu nichtoffenen Werbewerben festgelegt und wer macht das?

Das ist sehr unterschiedlich. Gerade private Investoren versuchen oft, ihre Wunschkandidaten ins Boot zu holen. Auf der anderen Seite engagieren sich die Kommunen immer stärker bei der Gestaltung der Wettbewerbe, und das ist auch gut so. Wir beraten dann meistens sowohl den Investor als auch die Kommune. Das Ziel ist es ja, die Kollegen, die am besten zur Aufgabe passen, herauszufiltern, und nicht diejenigen mit den augenscheinlich besten Kontakten. In diesem Sinn helfen wir bei der Definition der Kriterien.

Wer legt denn dann letztendlich die Kriterien fest?

Letztendlich legt die natürlich der Auslober fest. Aber die Definition ist ein abgestimmter Prozess, der sich an den Erfordernissen der Aufgabe orientiert.

Kommunale Bauherren stehen mitunter unter erheblichem Druck, lokale Büros zu berücksichtigen. Kommt es vor, dass Auswahlkriterien bei Teilnahmewettbewerben im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten entsprechend ausgerichtet werden?

Es gibt diese Tendenzen – meist mit Nachdruck über die Politik eingefordert. An sich ist das auch in Ordnung: Warum sollte man gute lokale Büros auch nicht einbinden? Schwierig wird es bei vergaberechtlichen Kollisionen, wenn etwa die Büros als gesetzte Teilnehmer in nichtoffenen Verfahren nicht die Mindestanforderungen erfüllen. Da schreiten wir dann ein. Generell versuchen wir, die Kriterien zu vereinfachen, um die Einstiegshürden zu verringern und somit solche Fälle gar nicht entstehen zu lassen.

„Wir haben maximal eine Minute: Deshalb müssen die Projekte schnell zur Hand sein!“

Unsere Umfrage hat ergeben, dass die Wettbewerbsbetreuer zumeist durch Referenzprojekte auf Büros aufmerksam werden. Wie gehen Sie hier vor?

Referenzprojekte kann man gar nicht hoch genug aufhängen – das sind die door opener! Wichtig ist, dass die Projekte gut aufbereitet sind und jederzeit digital zur Verfügung gestellt werden können. Sehr hilfreich sind dafür Suchmaschinen beziehungsweise Websites. Leider sehen allerdings viele Büros in ihrem Webauftritt eine Methode der Selbstverwirklichung und schätzen seine Bedeutung total falsch ein. Wir als Recherchierende haben maximal eine Minute Zeit, um uns für oder gegen ein Büro zu entscheiden: Deshalb müssen die Projekte schnell zur Hand und präsentabel sein.

Die Architektenkammern konsultieren Sie – ebenso wie die meisten anderen Wettbewerbsbetreuer – überhaupt nicht, um sich über Büros zu informieren. Woran liegt das?

Ich schätze die Arbeit der Kammern, aber es ist nicht ihre Aufgabe, Vitas und Referenzen der Büros aufzubereiten. Das müssen die Büros selbst leisten.

Auch Veranstaltungen wie Messen oder Vorträge dienen Ihrer Erfahrung nach nicht dazu, auf Büros aufmerksam zu werden. Ist der persönliche Kontakt nicht wichtig?

Wenn er sich ergibt, ist das ok. Aber für uns ist es schlicht zu zeitaufwendig, Veranstaltungen zu besuchen, um sich dort ein Bild von möglichen Ansprechpartnern zu machen. Außerdem wollen wir in unserer Entscheidung, welche Büros wir für welche Verfahren vorschlagen, möglichst unabhängig bleiben. Die persönlichen Kontakte entstehen dann im Laufe der Verfahren.

Für die Auswahl der eingeladenen Teilnehmer achten Sie – ebenso wie alle anderen Umfrageteilnehmer – besonders auf Portfolio und Qualität der Referenzen. Wonach beurteilen Sie diese?

Danach, ob die wichtigen Eckdaten auf der Website sofort ersichtlich sind. Dazu gehören Bürogröße, Akteure sowie die Referenzen inklusive thematischer Gliederung und Bildma- terial – das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Wir haben einmal ein Bewerbungsverfahren durchgeführt, bei dem Büros lediglich zwei Bilder ihrer besten Projekte einreichen sollten – mehr Informationen brauche ich gar nicht. Das hat sehr gut funktioniert – aber es war sehr interessant zu sehen, dass manche Teilnehmer mit dieser Aufgabenstellung nicht klar kamen, weil sie völlig anders strukturiert sind. Wir trauen uns jedenfalls zu, ein Projekt ausschließlich nach dem optischen Eindruck zu beurteilen, und glauben, dass auch unsere Kunden dafür genug Hintergrundwissen haben. In der Regel wissen sie, was gut und was schlecht für die Aufgabe ist.

Sowohl Bauherren als auch Wettbewerbsbetreuer geben in der Umfrage an, dass Alter, Größe und Umsatz der Büros keine große Rolle spielen. Angesichts der häufigen diesbezüglichen Klagen von Architekten und ihrer Vertreter ist das schon sehr überraschend …

Es deckt sich aber auch mit meinen Erfahrungen. Man muss differenzieren: Bei den klassischen Verfahren nach VOF gibt es diese Tendenz, denn die öffentlichen Bauherren wollen Hürden. Sie haben ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis, das sich aber durch Beratung befriedigen lässt. Wir bemühen uns drum, auch kleine Büros einzubinden – das muss man den Bauherren eben plausibel machen. Private sind da meist viel offener.

Was empfehlen Sie – insbesondere jungen – Büros, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken?

Simpel: Tue Gutes und rede darüber! Das können Kleinigkeiten sein – aber jeder muss die für sich geeigneten Multiplikatoren suchen.

 

 

Das Interview erschien in der Ausgabe 14 / 2016 des Magazins Competition.

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