Mehr als nur eine „Visitenkarte“ im Netz – Was Homepages noch alles leisten können (und sollten)


Gastbeitrag von Katrin Voermanek (Oktober 2003)

Die Darstellung der eigenen Leistungen und Projekte im Internet gehört für Architekturbüros inzwischen ebenso zum guten Ton wie einige Worte zur technischen Ausstattung, zum professionellen Selbstverständnis und zur Entwurfsphilosophie. Die Homepage hat sich als Informationsplattform etabliert. Wer gar keine hat, wirkt schlicht unzeitgemäß. Wer es noch nicht weiter geschafft hat als bis zur Startseite “under construction”, der ist immerhin drin, erscheint aber irgendwie desorganisiert.

Die Präsentation des eigenen Profils ist jedoch nur eine Rolle, die ein Auftritt im Netz spielen kann. Bindet man die Website als Kommunikationsinstrument in andere Aktivitäten ein, entstehen vielfältige Synergien. Die folgenden Beispiele zeigen auf, wie der eigene Internetauftritt auf aktuelle Ereignisse reagieren kann, um interessierte Bauherren, Journalisten, Bewerber und alle anderen Leser dort “abzuholen”, wo sie gerade sind.

Hauptsache man sieht Leben

Die Homepage immer auf dem neuesten Stand zu halten, erfordert Zeit und Geld. Aber der Aufwand lohnt sich. Bei Seiten, die von einem externen Webdesigner programmiert und gepflegt werden, erzeugt jegliche Aktualisierung natürlich einen höheren Aufwand als es bei einer Seite der Fall ist, an der ein eigener Mitarbeiter schnell und “auf Zuruf” etwas verändern kann. Am einfachsten ist es für diejenigen, die ihre Internetpräsenz mit einem “Content Management System” ohne jegliche technische Fachkenntnis an aktuelle Ereignisse anpassen können.

Wichtig ist in jedem Fall, dass sich etwas bewegt, dass man Leben auf der Seite sieht. Es muss kein hektischer übereifer ausbrechen oder jede Woche etwas Neues her. Aber es wirkt umgekehrt wenig überzeugend, wenn der letzte Eintrag unter “Aktuelles” oder “Neuigkeiten” zwei Jahre alt ist, wenn irgendwo “ Stand Sept. 2001” oder “last update 2000” steht und wenn in der Tages- oder Fachpresse nachzulesen ist, dass man beispielsweise beim “Tag der Architektur” dabei ist, das betreffende Haus aber noch nicht mal in der Projektliste aufgeführt ist, weil sich diese auf dem Stand von vor drei Jahren befindet.

Internet und Veranstaltungen

Veranstaltungen aller Art (z. B. die Teilnahme an einer Ausstellung, an einer Preisverleihung, an einem Symposium oder auch “nur” ein Bürofest) sind wichtige Anlässe, Traffic auf der eigenen Homepage zu generieren und dadurch Präsenz zu zeigen. Wer zu einem Anlass einlädt – schriftlich, mündlich oder per eMail -, der sollte sicherstellen, dass entsprechende Informationen auch auf der Website zu finden sind.

Wer besonders wichtige Anlässe nicht in einer Rubrik “verstecken” möchte, hat die Möglichkeit, zumindest zeitweilig mit einem kleinen Pop-up-Fenster auf das jeweilige Ereignis hinzuweisen. Das Fenster öffnet sich bei entsprechender Programmierung automatisch beim Ansteuern der Internetadresse, und zwar an exponierter Stelle eine Ebene “über” der Homepage.

Internet und Pressearbeit

Wer Bauten realisiert oder an Wettbewerben teilnimmt, die für die Medien von Interesse sind, sollte es Journalisten leicht machen, Daten, Fakten und wenn möglich sogar Bilder zu den Projekten auf der Website zu finden. Komfortable Download-Möglichkeiten stoßen auf besonders große Gegenliebe.

Dies gilt insbesondere für Büros, die “aktive” Pressearbeit betreiben und Redaktionen gezielt auf fertig gestellte Bauten oder gewonnene Wettbewerbe hinweisen. Wer erstes Interesse geweckt hat, den neugierigen Surfer dann aber auf der Website ohne jede Informationen ins Leere laufen lässt, verspielt im schlimmsten Fall wichtige Chancen auf eine Veröffentlichung.

Internet und Interaktion

Wer mit den Besuchern seiner Website in Kontakt bleiben möchte, sollte Möglichkeiten zur Interaktion anbieten: Gut aufbereitete Inhalte können einen interessierten Leser zu einem ausgiebigen Besuch im digitalen Portfolio verleiten, aber das heißt noch lange nicht, dass er ein bookmark setzt und jemals wiederkommt.

  • Für viele Nutzer ist es interessant und attraktiv, nicht nur Buchstaben am Bildschirm konsumieren zu können, sondern auch eine Möglichkeit zum Download zu haben. Am besten sind hierzu Dokumente im pdf-Format geeignet. Kleine Bürobroschüren bieten sich für solche Zwecke an, Datenblätter zu einzelnen Projekten, eine vollständige Referenzliste und natürlich – wenn vorhanden – eine übersicht über die bisherigen Presseveröffentlichungen.
  • Ein freundlicher Service ist es, seinen Besuchern einen Newsletter anzubieten: Immer wenn etwas Neues und Aktuelles passiert und auf der Seite abgebildet ist, macht eine kurze Nachricht in der inbox darauf aufmerksam.
  • Für seine Bauherren und andere Projektbeteiligte kann ein Architekt auf der eigenen Homepage auch einen nicht einsehbaren, passwortgeschützten Log In-Bereich einrichten. Hier lassen sich aktuelle Planungsstände oder Terminpläne austauschen, ebenso Zeichnungen und Bilder von der gemeinsamen Baustelle.

In ihrer Minimalfassung ist eine Website also so etwas wie eine digitale Visitenkarte eines Architekturbüros, der man Adresse und Telefonnummern entnehmen kann. Gut ausgebaut wird sie zum virtuellen Portfolio, das es einem erspart, sich ständig wortreich zu erklären und dicke, großformatige Mappen zu Akquiseterminen mitzunehmen. Im besten Fall kann sie aber auch zu einem flexiblen Dienstleistungs- und Kommunikationswerkzeug werden, das Informations“geber” und Informations“suchende” miteinander in Kontakt bringt und dauerhaft verbindet.

08.10.2003

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