Zukunft Architektur: Neue Formen der Zusammenarbeit

Ein Gastbeitrag von Felicitas Steck’Netzwerkgesellschaft

Kooperationen und Partnerschaften gewinnen für Architekten zunehmend an Bedeutung. Architekturbüros kooperieren bei Wettbewerben, wickeln größere und einzelne Projekte mit anderen Architekturbüros gemeinsam ab, schließen sich zu Partnerschaften zusammen und arbeiten gemeinsam im Kollektiv. Viele neue Arten der Zusammenarbeit entstehen, um mit den aktuellen Entwicklungen umzugehen.

Kooperationen und Partnerschaften gewinnen für Architekten zunehmend an Bedeutung (Foto: iStock.com/anyaberkut)

Kooperationen und Partnerschaften gewinnen für Architekten zunehmend an Bedeutung (Foto: iStock.com/anyaberkut)

Ein Grund für die zunehmende Kooperation liegt darin, dass der freischaffende Architekt als »Einzelkämpfer« zunehmend an seine Grenzen des Machbaren stößt. Durch immer umfangreicher und komplexer werdende Aufgabenstellungen. Es ist zu beobachten, dass große Architekturbüros kleinere Büros aufkaufen.

„Die Entwicklung fordert mehr neue Arten des Zusammenspiels, der Kooperation. Kooperationen sind nützlich, um die eigenen Kapazitätslücken zu überbrücken. Man kann dadurch effizienter und kostengünstiger anbieten, es steigert die Innovationskraft und die kollektive Intelligenz optimiert die Problemlösung. Das Risiko kann geteilt werden und das Leistungsspektrum ist größer. Projekte können aus einer Hand angeboten werden, dadurch wird die eigene Marktposition gestärkt.“

Felicitas Steck (Felicitas Steck´Netzwerkgesellschaft)

Doch da stellen sich viele Fragen. Typische Fragen, die mir in der Beratung in unserem Unternehmen, der Felicitas Steck´Netzwerkgesellschaft oft von Architektinnen und Architekten gestellt werden wie: Müssen die Architekturbüros, die kooperieren gleich groß sein? Wo finde ich Büros mit denen ich kooperieren kann? Wie ist das mit der Haftung? Welche erfolgreiche Kooperationsmodelle gibt es? Wie organisieren wir das? Was ist mein Büro wert?

Wir haben uns schon länger auf die Beratung und das Coaching von Architekten und Ingenieure spezialisiert.

Professionelles Vorgehen bei einer Kooperation

Führung und Management von Zusammenarbeit

Kooperationen brauchen viel Vertrauen und professionelle Steuerung, und hier berät Felicitas Steck Architekten und Ingenieure. Das stellt zugleich erhebliche, zum Teil neuartige, Managementanforderungen an Architekten. Sofern man wirklich bereit ist, sich auf Kooperationen und Partnerschaften einzulassen, ist dieses Engagement ein dauerhafter Gewinn. Zusammenschlüsse erhöhen die Flexibilität.

Die richtige Kooperationsform hängt stark davon ab, in welcher Situation sich das jeweilige Architekturbüro befindet. Handelt es sich um ein junges kleines Architekturbüro oder ein mittelgroßes Büro. Für Teamplayer ist die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartGmbB) sehr interessant.

Zusammenschluss von einzelnen Architektinnen und Architekten

Langfristige Strategieentwicklung und Kooperation

Ein gutes Beispiel hierfür stellt der Zusammenschluss zur Cityförster PartGmbB dar. Bei Cityförster mit Sitz in Hannover, arbeiten 10 stadtbegeisterte Architekten, Ingenieure und Stadtplaner an 4 Standorten national und international seit ca. 10 Jahren zusammen. Die Vorteile sind umfangreich: z.B. ein Projektpool für viele Bereiche, die Akquise und die Organisationsaufgaben verteilen sich auf mehrere Schultern, Synergien durch unterschiedliche Kompetenzen. Die Motivation ist sehr hoch durch das gleichberechtigte Arbeiten.

Durch die unterschiedlichen Kompetenzen und fachlichen Schwerpunkte sind Cityförster mit ihrem Leistungsspektrum breit aufgestellt. „Durch den regelmäßigen Austausch zu den gemeinsamen Zielen bleibt die Struktur langfristig funktionsfähig und lebendig. Für uns ist entscheidend, dass alle Partner ihren Freiraum behalten und Entscheidungen eigenverantwortlich – aber immer auch im Hinblick auf das Wohl der Partnerschaft treffen. Die Form der PartGmbB war für uns die konsequente Entscheidung, um über gemeinsames Wirtschaften und eine schlagkräftigere Akquise, das Teilen von Aufgaben und den Austausch von Wissen, gemeinsame Vorteile zu generieren und dabei Raum für individuelles, eigenverantwortliches Arbeiten zu lassen“, so Sanna Richter zu Felicitas Steck.

Schwarmintelligenz: Das Kollektiv und deren Bedeutung in der Architektur

Junge Architekten und Architektinnen beleben die neue Organisationsform

Das Kollektiv A aus München gründete sich schon früh nach dem Studium. Zwei der Architekten wurden mit einem großen Bau für Geflüchtete beauftragt, da war ihnen klar, dass schaffen wir nicht alleine, für diesen Auftrag brauchen wir noch ein paar vertraute Mitstreiter. So gründeten sie „Kollektiv A“. Es war ihnen wichtig gleichberechtigt, paritätisch, egalitär, unabhängig und frei zu arbeiten. Seither erhielten sie schon viele Preise und einen Platz im deutschen Pavillon auf der 15. Architekturbiennale.

Doch wer verantwortet im Kollektiv Entscheidungen für den Bau? Im Kollektiv, indem meist in mehreren Zirkeln die Verantwortlichkeiten wechseln.

Auch in Architekturkollektiven gibt es Projektverantwortliche für die einzelnen Projekte, aber innerhalb des Projektteams werden unterschiedliche Kompetenzen vergeben, entschieden wird nach Fachkompetenz und nicht nach Hierarchie.

Kooperations-Grundsätze

Architekturbüros arbeiten auf Augenhöhe zusammen.

„Ich kann mit jedem Partner kooperieren, solange ich die Entscheidungen treffe “. Eine Zusammenarbeit nach diesem Motto kann nicht funktionieren. Jede Kooperation hat einige wichtige Grundsätze:

  • Eine ausgewogene Balance zwischen den Partnern. Eine funktionierende Zusammenarbeit verlangt von jedem Partner nicht nur, dass er sich an diese Grundsätze hält, sondern sie sollten sein Verhalten im Kooperations-Arbeitsalltag bestimmen.
  • Win-Win Situation: jeder Partner muss von einer Kooperation profitieren. Nur so ist von jedem Partner das gleiche Engagement zu erwarten.
  • Das Kooperations-Ziel muss präzise formuliert sein. Eine ungefähre Verabredung auf vage Kooperations-Ziele führt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu Unzufriedenheit und selten zum Erfolg.
  • Erwartungen und Zielvorstellungen der Partner müssen vor Beginn der praktischen Zusammenarbeit in einem Kooperationsvertrag auf einen Nenner gebracht werden.
  • Die einzelnen Kooperations-Maßnahmen, Termine, Kosten etc. müssen eindeutig festgelegt sein. Nur so wird die gemeinschaftliche Arbeit für alle Beteiligten nachvollziehbar, ihr Erfolg messbar und Kurskorrekturen möglich.
  • Die Aufgaben und Kompetenzen müssen klar verteilt werden. Nur so kann die Zusammenarbeit tatsächlich arbeitsteilig Hand in Hand erledigt werden.
  • Die Kosten- und Ergebnisverteilung muss vorher festgelegt werden.
  • Jeder Partner muss kompromissbereit sein.
  • Jeder Partner muss sich gleichermaßen für die Kooperation engagieren, also Personalkapazität und Zeit zur Verfügung stellen.

Kooperationen: Praxisbeispiel

Viele interessante Kooperationsformen habe ich in der Praxis erleben dürfen: Da sind zwei Innenarchitekten und ein Architekt, der sein Büro als GmbH organisierte. Hier mussten wir die Frage lösen, wie arbeiten zwei Einzelunternehmen mit einer GmbH zusammen?

Ein anderer Architekt, sucht einen neuen Partner, der ins Büro einsteigt. Wir haben den passenden Partner gefunden, der ins Büro eingestiegen ist. In einer partnerschaftlichen Diskussion und mit einer Wertermittlung für das Büro, setzten wir den richtigen „Preis“ für beide Partnern fest und entwickelten das dazugehörige Finanzierungsmodell.

In einem Workshop erarbeiteten wir die neue Strategie des neuen Büros, schnell war entscheiden dies alles in einer PartGmbB (Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung) neu auszurichten. Im Vorfeld steckten wir die Verantwortungsbereiche fest, nach den jeweiligen Kompetenzen der Partner, die sich gut ergänzten.

Kleinere Architekturbüro ermöglichen sich durch Kooperationen an eingeladenen Wettbewerben teilzunehmen. Schon von Anfang an, erarbeiten wir Lösungen für viele Fragen. Wer übernimmt welche Aufgaben, wer bringt wieviel Personal ein, in welcher Organisationsform wollen wir das Projekt abwickeln. In einem Kooperationsvertrag, den wir gemeinsam erarbeiten, schreiben wir die Ergebnisse zusammen. So war alles für die Zusammenarbeite vereinbart, sund tatsächlich der Auftrag wurde erteilt und das Projekt läuft.

Kollegiales Coaching Netzwerk für Architekten

Kooperation und Vernetzung

Um neue Partner kennen zu lernen, Kooperation zu üben und sich mit unserer professionellen Unterstützung über aktuelle Themen auszutauschen, haben wir zusammen mit der Architektenkammer Baden-Württemberg das Format Kollegiales Coaching Netzwerk (KCN) für Architekt/-innen, Landschaftsarchitekt/-innen und Innenarchitekten entwickelt.
Hier stehen Sie als Inhaber/-innen von Architektenbüros im Mittelpunkt: Ihre Profession, ihre Expertise und Ihre Fragen und ihr Wunsch nach Austausch und Vernetzung!

Die Formen der Kooperation und der Vernetzung sind vielfältig und richten sich am bisherigen Architekturbüro und seiner langfristigen Strategie aus.

Kooperations- und Partnerschaftsbörse für Architekten und Ingenieure:
Wer Interesse hat, einfach melden: steck@netzwerk-gesellschaft.de

Über die Autorin

Dipl.-Volkswirtin Felicitas Steck (Foto: Felicitas Steck´Netzwerkgesellschaft)

Dipl.-Volkswirtin Felicitas Steck
(Foto: Christian Ernst)

Felicitas Steck´Netzwerkgesellschaft,
Unternehmensberaterin und Coach für Architekten und Ingenieure, Karlsruhe
www.netzwerk-gesellschaft.de

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