Vergabeplattformen zeigen Architekturprojekte häufig erst, wenn die Ausschreibung der Planungsleistungen veröffentlicht ist. Zu diesem Zeitpunkt haben gut vernetzte Büros oft schon Vorarbeit geleistet. Aber wie geht das?
Wer strategisch akquirieren will, muss früher ansetzen – und genau das ermöglichen kommunale Ratsinformationssysteme. Aber regelmäßig manuell durch Hunderte von Ratsvorlagen zu scrollen, ist mühsam und im Büroalltag kaum realistisch.
Hier kann Vibe-Coding helfen: Ein mit KI entwickeltes Recherche-Tool zeigt, wie das in der Praxis funktioniert.

Auswahl der Kriterien für die Dokumentensuche in dem von mir per KI entwickelten „Bildungsbau-Monitor“: Hier suche ich nach Dokumenten zu Sanierungen von Kindertagesstätten (Screenshot: Internet für Architekten)
Das Problem: Zu spät dran bei öffentlichen Projekten
Wenn ein Schulneubau auf einer Vergabeplattform erscheint, liegt der politische Grundsatzbeschluss oft schon zwei bis fünf Jahre zurück.
Wer erst jetzt aufmerksam wird, hat den Informationsvorsprung verschenkt: Kontakte zu Entscheider:innen hätten längst geknüpft, Referenzen gezielt aufgebaut und Kapazitäten geplant werden können.
Kommunale Ratsinformationssysteme sind öffentlich zugänglich. Jeder Grundsatzbeschluss, jede Machbarkeitsstudie, jeder Bedarfsbeschluss zu einem Schulneubau oder einer Kita-Erweiterung wird dort dokumentiert – frei einsehbar für alle.
Die Lösung: Ein Recherche-Tool per Vibe Coding
Für dieses dritte Vibe-Coding-Beispiel auf Internet für Architekten habe ich einen interaktiven „Bildungsbau-Monitor“ erstellt – ein webbasiertes Tool, das automatisiert das Kölner Ratsinformationssystem nach Bildungsbauprojekten durchsucht.
Die gesamte Entwicklung erfolgte mit KI-Unterstützung, ohne eigene Programmierkenntnisse.
Das Prinzip: Das Tool greift über eine offene Schnittstelle namens OParl auf die Ratsdaten zu und filtert sie nach zwei Kriterien gleichzeitig:
- Ein Dokument wird nur dann als Treffer angezeigt, wenn es sowohl einen Einrichtungstyp (etwa „Grundschule“, „Kita“ oder „Gymnasium“) als auch
- einen Baukontext enthält (etwa „Neubau“, „Sanierung“ oder „Machbarkeitsstudie“).
Diese UND-Verknüpfung sorgt dafür, dass wirklich nur baurelevante Treffer erscheinen – und nicht jede Ratsvorlage, in der irgendwo das Wort „Schule“ vorkommt.

Die Suche nach passenden Informationen zu Bauprojekten hat hier zwei Treffer ergeben. Per Klick gelangt man nun zu den Originaldokumenten im Kölner Ratsinformationssystem (Screenshot: Internet für Architekten)
Was ist OParl – und darf man das nutzen?
OParl ist ein offener Standard für den maschinenlesbaren Zugriff auf kommunale Ratsinformationssysteme. Die Schnittstelle wurde ab 2012 entwickelt. Die aktuelle Version 1.1 stammt von 2018.
Technisch handelt es sich um eine REST-API mit JSON-Ausgabeformat – man kann die Daten also direkt per Software abfragen, ohne sich anzumelden.
Die Bereitstellung der Daten erfolgt bei den meisten Kommunen unter sehr großzügigen Lizenzen wie der Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0 (wie in Köln), Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland, Attribution 4.0 International und anderen. Sie erlauben in der Regel die nicht-kommerzielle und kommerzielle Verwendung der Daten.
Einschränkung: Bislang bieten nach meiner Recherche nur ca. 50 bis 70 der über 11.000 deutschen Kommunen eine OParl-Schnittstelle an.
Den Schwerpunkt bildet Nordrhein-Westfalen, wo ein Pilotprojekt knapp 30 Kommunen angebunden hat. Zu den großen Städten mit OParl-Zugang zählen unter anderem Köln, Dresden, Leipzig, Münster, Düsseldorf oder Freiburg.
So funktioniert der Bildungsbau-Monitor
Die Bedienung des von mir ge-vibe-code-ten Tools ist bewusst einfach gehalten: Nach einem Login-Screen erscheint die Hauptansicht mit zwei Gruppen von klickbaren Tags:
- Grüne Tags stehen für Einrichtungstypen (Grundschule, Gymnasium, Kita, Berufskolleg und weitere),
- blaue Tags für Baukontexte (Neubau, Sanierung, Erweiterung, Machbarkeitsstudie und weitere).
- Über „Alle“- und „Keine“-Buttons lassen sich die Gruppen schnell aktivieren oder deaktivieren.
- Ein Zeitraum-Filter erlaubt die Suche in den letzten drei, sechs, zwölf oder 24 Monaten.
Nach dem Start der Suche zeigt eine Fortschrittsanzeige den aktuellen Stand – inklusive Seitenzähler und Live-Trefferzahl. Die Suche lässt sich jederzeit abbrechen, wobei die bis dahin gefundenen Treffer erhalten bleiben.
In der Ergebnisliste erscheint jeder Treffer mit Titel, Aktenzeichen, Datum und den gefundenen Suchbegriffen als farbige Tags. Ein Klick auf den Titel öffnet die Originalseite im Kölner Ratsinformationssystem.

Funktioniert natürlich auch auf dem Smartphone: Links die Suche nach kommunalen Bauprojekten, rechts die Trefferliste mit Direkt-Links zu den Dokumenten (Screenshots, Collage: Internet für Architekten)
Technik: Zwei Dateien, keine Datenbank
Das Tool besteht aus gerade einmal zwei Dateien: einer HTML-Datei für die Oberfläche (mit eingebettetem CSS und JavaScript) und einer PHP-Datei als API-Proxy zum OParl-Endpunkt.
Eine Datenbank gibt es nicht – die Abfrage erfolgt in Echtzeit. Das macht die Einrichtung denkbar einfach: Beide Dateien auf den Webspace hochladen, fertig.
Die Suchdauer betrug bei meinen Tests je nach Zeitraum ein bis zwei Minuten, weil die API seitenweise durchsucht wird. Natürlich kann es auch mal länger dauern. Dann lässt man den Prozess einfach nebenher laufen.
Wichtig beim Vibe-Coding: Fair Use bei offenen Daten
Da das Tool die Daten live abfragt, gibt es ein wichtiges Detail für den Prompt an die KI: „Baue unbedingt Pausen zwischen den einzelnen Server-Anfragen ein (sogenanntes Rate Limiting, zum Beispiel eine Sekunde pro aufgerufener Seite)“.
Hintergrund: Kommunale Server sind oft nicht für massenhafte automatisierte Zugriffe ausgelegt. Wer ungebremst Hunderte von Seiten in Sekundenbruchteilen abruft, riskiert, dass die eigene IP-Adresse temporär gesperrt wird. Diese kurzen Pausen schonen die städtische IT, gehören bei der Nutzung kostenloser Schnittstellen zum guten Ton („Fair Use“) – und sind auch der Grund, warum ein Suchdurchlauf typischerweise ein bis zwei Minuten dauert.
Übertragbar auf andere Kommunen und Projekttypen
Ein besonderer Vorteil dieses Ansatzes: Die Anpassung an andere Städte mit OParl-Schnittstelle erfordert im Wesentlichen nur zwei Änderungen – die API-URL und das Link-Format zum jeweiligen Ratsinformationssystem.
Ebenso lässt sich die Suchlogik auf andere Bauaufgaben übertragen. Wer statt Bildungsbauten z. B. Sportstätten im Blick hat, tauscht die Einrichtungstypen gegen Begriffe wie „Sporthalle“, „Schwimmbad“ oder „Sportplatz“ aus.
Für Kulturbauten wären es „Museum“, „Bibliothek“ oder „Kulturzentrum“, für Gesundheitsbauten „Krankenhaus“, „Klinik“ oder „Pflegeheim“ usw. Die Baukontexte bleiben dabei weitgehend identisch.

Suche nach kommunalen Bauprojekten aus den Bereichen Kita-, Schul- und Bildungsbau im Ratsinformationssystem der Stadt Köln (Screenshot: Internet für Architekten)
Entwickelt mit KI, nicht als Software-Produkt
Wie schon beim Materialproben-Tracker und der Ausgaben-Liste entstand auch dieses Tool durch Vibe-Coding mit Claude.
Der Entwicklungsprozess begann mit einer Recherche zum OParl-Standard und Tests am Kölner API-Endpunkt, gefolgt von mehreren Iterationsrunden: von der einfachen Textfeld-Suche über die Schlagwort-Auswahl bis zur verfeinerten UND-Logik und der Fortschrittsanzeige.
Wichtig: Das Tool biete ich bewusst nicht zum Download an. Es mir geht nicht darum, ein Software-Produkt zu veröffentlichen, sondern zu zeigen, was mit Vibe-Coding und offenen Daten möglich ist.
Wer ein vergleichbares Tool für die eigene Kommune oder den eigenen Schwerpunkt haben möchte, kann sich mit einem Chatbot wie Claude, Gemini oder ChatGPT ein eigenes bauen lassen.
Fortgeschrittene bzw. erfahrene Entwickler:innen nutzen vermutlich lieber KI-gestützte Dev-Tools wie Claude Code oder Cursor. Damit sind sicher noch komfortablere Lösungen möglich. Viel Spaß!
Geschützter Tool-Zugang, separater Webspace
Das in diesem Beitrag gezeigte Vibe-Coding-Tool läuft auf einem geschützten Bereich meines Webservers. Der Zugang ist zweifach abgesichert:
- Zum einen durch einen vorgelagerten Verzeichnisschutz auf Serverebene (HTTP-Authentifizierung),
- zum anderen durch den im Tool selbst implementierten Passwortschutz.
Dadurch bleiben experimentelle Prototypen und sensible Konfigurationen zuverlässig vor der öffentlichen Indexierung und dem unbeabsichtigten Zugriff Dritter geschützt.
Praxis-Tipp für Planungsbüros: Von der Büro-Website trennen
Für Vibe-Coding-Tools wie das hier vorgestellte empfiehlt sich ein separater Webspace mit eigener Domain oder Subdomain.
So lassen sich Test- und Recherche-Tools organisatorisch und technisch klar von der offiziellen Büro-Website trennen und bei Bedarf auch leichter wieder austauschen oder abschalten.
Informationsvorsprung durch offene Daten
Der Bildungsbau-Monitor zeigt exemplarisch, wie Architekturbüros und Fachplanende offene Ratsdaten für die strategische Akquise nutzen können.
Wichtig zur Einordnung: Nicht jede Machbarkeitsstudie wird am Ende eins zu eins umgesetzt. Bauvorhaben können sich verzögern oder politisch kippen. Wer diese offenen Daten aber als strategisches Radar nutzt, hat sein Netzwerk und seine Kapazitäten längst in Stellung gebracht, wenn das Projekt schließlich auf der Vergabeplattform landet.
Der zeitliche Vorsprung gegenüber Vergabeplattformen beträgt oft mehrere Jahre. Die Daten sind frei verfügbar und die Technik mit KI-Unterstützung auch ohne Programmierkenntnisse umsetzbar. Viel Erfolg!
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17. April 2026, 10:00 bis 11:00 Uhr, online via Zoom
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