Einmal im Jahr trifft sich in London ein Teil der Architektur- und Bauwelt, der sich sonst selten an einem Ort versammelt: Software-Entwickler:innen, die Technologieabteilungen großer Planungsbüros und eine wachsende Zahl junger Firmen, die das Bauen mit neuer Software verändern wollen.
Die Konferenz heißt NXT BLD, ausgerichtet vom britischen AEC Magazine, und fand 2026 zum zehnten Mal statt – am 13. und 14. Mai 2026 im Queen Elizabeth II Centre in Westminster. Der zweite Tag läuft unter dem Namen NXT DEV und richtet sich stärker an die Entwicklungsseite.

Welche Entwicklungen gibt es bei BIM, KI und der Arbeit im Planungsbüro? Die NXT BLD 2026 fand Mitte Mai im Queen Elizabeth II Centre in London statt (Foto: Eric Sturm)
Mein Eindruck: In Deutschland ist die Veranstaltung kaum bekannt, und die meisten der dort gezeigten Werkzeuge dürften an vielen Architekturbüros bisher vorbeigegangen sein.
Genau das macht einen Rückblick lohnenswert. Denn was in London diskutiert wurde, beschreibt ziemlich genau, womit sich die Branche in den kommenden Jahren auseinandersetzen dürfte.
Ich war vor Ort und möchte in diesem Beitrag weniger jede einzelne Demo nacherzählen als vielmehr einordnen, was ich gesehen habe – und welche Entwicklung sich aus meiner Sicht dahinter abzeichnet. Wer tiefer einsteigen möchte, findet am Ende dieses Beitrags eine Auswahl der (aus meiner Sicht) für Architekturbüros interessanten Werkzeuge.
BIM 2.0: Für Planungssoftware genügt jetzt ein Browser
Mein wichtigster Eindruck von der Konferenz lässt sich in einer These zusammenfassen: Momentan kommt eine ganze Welle leichtgewichtiger Entwurfswerkzeuge auf den Markt, die vor allem die frühen Leistungsphasen abdecken.
In der Branche kursiert dafür das Schlagwort BIM 2.0. Gemeint ist eine Generation von Planungssoftware, die nicht mehr als schweres Programm auf dem einzelnen Rechner installiert wird, sondern im Webbrowser läuft und auf einer offeneren Datenbasis aufsetzt. Zu dieser Gruppe gehören Werkzeuge wie Snaptrude, Qonic, Arcol, Motif und Hypar (siehe Link-Liste unten).
Diese Tools ersetzen die großen, etablierten CAD- und BIM-Programme nicht – aber sie verschieben deren Einsatz nach hinten. Den frühen, noch offenen Teil der Projektarbeit, in dem es um Varianten, Flächen und erste Modelle geht, übernehmen zunehmend die neuen, schlanken Umgebungen. Das „schwere“ Werkzeug kommt erst später, ab der Genehmigungs- oder Ausführungsplanung, zum Zug.
Aus dieser Leichtigkeit ergeben sich aus meiner Sicht zwei Folgen, die zusammenhängen:
- Erstens lassen sich solche Werkzeuge besser mit künstlicher Intelligenz verbinden. Wer auf einer schlanken, offenen Datenbasis aufsetzt, kann ein Sprachmodell oder einen KI-Agenten leichter andocken, als das bei den über Jahrzehnte gewachsenen Altsystemen möglich ist.
- Zweitens verlagert sich die Arbeit in den Browser – und damit wird die Zusammenarbeit im Team und über Fachdisziplinen hinweg einfacher. Mehrere Personen arbeiten am selben Stand, statt Dateien hin- und herzuschicken. In der Summe verändert das die Projektbearbeitung insgesamt.
Dass die Branche genau so denkt, bestätigte auf dem zentralen BIM-2.0-Panel zum Beispiel Mairéad Gallagher Morgan (Autodesk Forma Community Lead). Ihre Beobachtung: die nächste Generation von Planungstechnologie werde nicht mehr als Sammlung einzelner Produkte gebaut, sondern als untereinander verbundene Plattformen, über die Daten nahtloser durch alle Projektphasen wandern. Den ganzen Beitrag finden Sie hier auf LinkedIn.
Das Problem mit dem Fluss der Daten
Warum diese offenere Datenbasis so entscheidend ist, machte Dimitrie Stefanescu deutlich, Gründer der offenen Plattform Speckle. Sein Punkt, den ich für einen der wichtigsten der ganzen Konferenz halte:
Wenn ein BIM-Modell zwischen Architektur, Tragwerksplanung und technischer Gebäudeausrüstung hin- und herwandert, gehen bei jedem Export Daten verloren, und nach jeder Änderung beginnt das Sortieren der Versionen von vorn.
Mehr Prozesse und längere Pflichtenhefte lösen das nicht – weil das eigentliche Problem nicht darin liegt, wie wir zusammenarbeiten, sondern darin, wie die Daten gespeichert sind und wie sie zwischen den Beteiligten fließen.

Vortragsfolie von Dimitrie Stefanescu (Speckle) auf der NXT BLD 2026, London, 13. Mai 2026 (Foto: Eric Sturm)
Speckle baut hier eine Alternative: eine Datenebene zwischen den gängigen Programmen, von Revit über Rhino bis Archicad (aber auch Excel und Power BI).
Statt Modelle als Dateien zu verschicken, hält die Plattform einen gemeinsamen, versionierten Stand bereit, auf den alle Werkzeuge zugreifen. Meinen LinkedIn-Post zu Stefanescus Vortrag finden Sie hier.
KI-Agenten: überall, und gerade deshalb unauffällig
Ein zweites Thema zog sich durch fast jeden Vortrag: KI-Agenten. Damit sind Software-Helfer gemeint, die nicht nur auf Knopfdruck reagieren, sondern eigenständig Aufgaben übernehmen – etwa ein Modell auf Baubarkeit prüfen.
Wie das konkret aussieht, zeigte zum Beispiel Qonic-Gründer Aaron Perry in einer Demo die Echtzeit-Integration zwischen der BIM-Plattform Qonic und dem KI-Agentensystem von KOPE: In einem Modell sind Wandflächen rot markiert, weil drei Türen zu nah beieinander liegende Wandkanten erzeugen. Verschiebt man die Türen, reagiert der Agent sofort, und die Warnungen verschwinden eine nach der anderen.

Aaron Perry, Head of Industry Strategy, zeigt auf der NXT BLD 2026 die fünf KI-Anwendungsfelder von Qonic (Foto: Eric Sturm)
So beeindruckend einzelne Demos waren – an Distanz fehlt es nicht. Der kanadische BIM-Berater Nicolas Catellier, der die Konferenz vor Ort verfolgte, berichtete anschließend in seinem Blog darüber, dass solche Agenten inzwischen fast überall eingebaut werden und dadurch ihren besonderen Reiz verlieren.
Sein Fazit fällt fast nüchtern aus: KI-Agenten seien eine Funktion, kein Produkt. Was vor einem Jahr noch eine kleine Revolution gewesen wäre, ist heute beinahe Standard. Catelliers vollständigen Rückblick mit zwölf Beobachtungen kann ich zur Lektüre sehr empfehlen.
Wenn große Büros ihre eigene Software bauen
Der vielleicht nachdenklichste Vortrag kam von Martha Tsigkari vom Londoner Büro Foster + Partners. Sie beschrieb, wie das Büro zunehmend eigene Werkzeuge entwickelt, mit voll integrierter KI, und wählte dafür das antike Gedankenspiel vom Schiff des Theseus: Wenn man ein Schiff über die Jahre Stück für Stück ersetzt – ist es am Ende noch dasselbe Schiff?
Übertragen auf ein Planungsbüro: Wenn man seinen gesamten Software-Werkzeugkasten neu baut, hat man dann noch dasselbe Büro? Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas bedeutungsschwer. Aber wenn man (wie ich in London) erfahren hat, wie massiv künstliche Intelligenz in einigen großen Büros schon präsent ist, gewinnt diese Frage mehr und mehr Relevanz.
Daran knüpft die Frage an, die für die meisten Leser:innen am wichtigsten sein dürfte. Große Büros wie Foster, Heatherwick oder HOK haben eigene Entwicklungsteams (und waren auch auf der NXT BLD vor Ort). Doch wie sollen kleine und mittlere Büros mithalten?
Der Londoner Architekt Michal Gryko (Buro Happold) brachte die eigentliche Hürde auf den Punkt: Die liege nicht im Programmieren selbst, sondern im Entwurf belastbarer Arbeitsabläufe.
Seine Frage nach der Konferenz: Denken wir die Abläufe wirklich neu – oder bauen wir bloß dieselben Muster mit mehr Schnittstellen und mehr Komplexität nach? Sein LinkedIn-Beitrag ist lesenswert.
Ein heilsamer Realitätscheck
Bei aller Aufbruchsstimmung sorgte ein Vortrag für Bodenhaftung. Der Finanzanalyst Jay Vleeschhouwer, der die Branche von der Börsenseite beobachtet, berichtete laut Catellier, dass sowohl Revit als auch das betagte AutoCAD weiter wachsen und die KI-getriebene Verdrängung vermutlich überschätzt werde.
Für deutsche Büros ist das eine wichtige Einordnung. Der Umbruch, der in London gefeiert wurde, wird wohl deutlich langsamer ankommen, als die Bühnenpräsentationen vermuten lassen – und kaum als plötzlicher Wechsel zu dem einen neuen Programm.
Das fügt sich gut in meine These ein: Die neuen Werkzeuge ersetzen die alten nicht, sie verschieben sie. Genau das ist eine realistische, schrittweise Entwicklung.

Auf der NXT DEV 2026 in London hat Antonio González Viegas (That Open Company) erstmals öffentlich „That Open Platform“ gezeigt – eine webbasierte BIM-Umgebung als Alternative zu etablierten Lösungen (Foto: Eric Sturm)
Was für den DACH-Raum besonders interessant ist
Ein für viele deutsche, österreichische und Schweizer Büros relevantes Detail wurde in London zwar erwähnt, aber erst kurz nach der Konferenz offiziell angekündigt:
Graphisoft, Hersteller des im DACH-Raum verbreiteten Archicad plant eine neue Verbindung zwischen Archicad und Autodesks Forma-Plattform. Sie soll den Austausch von Entwurfsdaten in den jeweils nativen Formaten ermöglichen.
Begleitet wird das von einer offenen Kollaborationsschicht auf Ebene der Nemetschek-Gruppe, die Gebäudemodelle, Dokumente und Entscheidungen über Teams hinweg synchron halten und gängige Formate wie IFC, BCF, PDF, DWG und RVT unterstützen soll. Beides sind nach Herstellerangaben zunächst Vorschauen; ein erster Zugang ist für den Herbst 2026 vorgesehen.
Das passt zur größeren Linie: Es geht weniger um die eine Plattform, die alles ablöst, als um offene Verbindungen zwischen den Werkzeugen, die Büros ohnehin nutzen – auch bei den etablierten Anbietern.
Ausgewählte Werkzeuge im Überblick
Die folgende Auswahl versammelt die Tools, die sich an Architekturbüros richten. Sie ist bewusst subjektiv und unvollständig – Werkzeuge etwa für Tragwerksplanung oder technische Gebäudeausrüstung habe ich bewusst weggelassen.
Wo geht die Reise hin?
Die NXT BLD 2026 hat mir gezeigt, dass sich in der Planungssoftware etwas bewegt – wenn auch nicht über Nacht.
Mein Eindruck: Eine neue, leichtgewichtige Generation von Entwurfswerkzeugen besetzt die frühen Phasen, baut auf offeneren Daten auf, verträgt sich besser mit KI und verlagert die Arbeit in den Browser.
Die großen Programme verschwinden dadurch nicht. Ihre Nutzungsphasen entlang der Projektbearbeitung verschiebt sich. Für Büros hierzulande lohnt es sich, diese Entwicklung im Blick zu behalten – ohne Hektik, aber auch ohne sie zu verschlafen.

Carlos Bañón, Mitgründer von FORMAS.AI, eröffnet die Main Stage am ersten Tag der NXT BLD 2026. Sein Vortragsthema: „Design Agency“ (gestalterische Kontrolle) im Zeitalter generativer KI (Foto: Eric Sturm)
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