nexture+ Nachwuchsreport 2025/26: Was junge Planende von Büros erwarten – und was sie vorfinden

Die Nachwuchsorganisation nexture+ hat Anfang September 2026 ihren zweiten Nachwuchsreport vorgelegt. 777 Studierende, Praktikant:innen und Berufseinsteigende geben darin Auskunft über Gehälter, Überstunden und darüber, was ihnen bei der Wahl des Arbeitsplatzes wichtig ist.

Wer Personal sucht, erfährt darin, worauf Berufseinsteigende bei der Bürowahl achten – und wo sie zwischen Zusage und Arbeitsalltag die größten Lücken erleben.

Befragt wurde von Oktober bis Dezember 2025. Ausgewertet wurden 777 Datensätze aus Architektur (66 Prozent), Stadt- und Raumplanung (13 Prozent), Landschaftsarchitektur (11 Prozent) und Innenarchitektur (10 Prozent).

nexture+ Nachwuchsreport 2025/26: Was junge Planende von Büros erwarten – und was sie vorfinden

Sechs Kapitel auf 75 Seiten: Der Report gliedert die Antworten nach Demografie, Ausbildung, Bewerbung, Arbeitsbedingungen, Gehalt und Zielen (Grafik: nexture+)

Die zweite Auflage nach 2023/24

60 Prozent der Teilnehmenden sind Berufseinsteigende, deren Abschluss höchstens zwei Jahre zurückliegt. Das Durchschnittsalter liegt bei 26,8 Jahren, 64 Prozent der Befragten sind weiblich.

Wir hatten die Ergebnisse der ersten Befragung seinerzeit ausführlich analysiert und auch über den Start der zweiten Umfrage berichtet.

Diesmal schauen wir gezielt auf das, was Arbeitgebende aus den Daten ableiten können.

Standort schlägt Prestige

Die aufschlussreichste Doppelseite des Reports steht auf Seite 33. Links ist aufgelistet, was den Befragten bei der Auswahl ihres Arbeitsplatzes wichtig war – rechts, welche Benefits sie tatsächlich vorfinden.

Doppelseite aus dem nexture+ Nachwuchsreport 2025/26: links die Kriterien bei der Arbeitsplatzwahl, rechts die tatsächlich angebotenen Benefits

Wunsch und Wirklichkeit auf einer Doppelseite: links die Auswahlkriterien der Befragten, rechts die Benefits, die ihre Arbeitgebenden tatsächlich bieten (Grafik: nexture+)

Ganz oben auf der Wunschliste: der Standort des Büros (55 Prozent), ein kollegiales Arbeitsumfeld (49 Prozent), ein angemessenes Gehalt (44 Prozent) und die Entfernung zum bestehenden Wohnort (43 Prozent).

Es folgen flexible Arbeitszeiten (41 Prozent) und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten (40 Prozent).

Am unteren Ende stehen ausgerechnet jene Merkmale, mit denen Büros in Stellenanzeigen gern werben: das Prestige des Büros (19 Prozent), die Projekttypologie (18 Prozent), die Ausstattung (10 Prozent), die internationale Ausrichtung (4 Prozent) und Exkursionen (3 Prozent).

Wer seine Anzeige um Auszeichnungen und Wettbewerbserfolge herum baut, adressiert also Kriterien aus dem unteren Drittel.

Interessant ist, was dazwischen liegt: Die persönliche Identifikation mit dem gestalterischen Stil des Büros nennen 37 Prozent, einen Fokus auf Nachhaltigkeit 25 Prozent, die verwendete CAD-Software immerhin 21 Prozent.

Die Handschrift eines Büros zählt demnach durchaus – nur eben nicht als Renommee, sondern als Inhalt.

Obst gibt es reichlich

Auf der Angebotsseite führt mit weitem Abstand ein Benefit, das auf keiner Wunschliste auftaucht: kostenlose Getränke und Obst, genannt von 64 Prozent.

Danach kommen Gleitzeit (56 Prozent), Homeoffice (55 Prozent) und Team-Events (54 Prozent). Bei den Arbeitszeiten passen Angebot und Nachfrage also durchaus zusammen.

An anderer Stelle klafft eine Lücke. Eine Vier-Tage-Woche bei vollen Bezügen bieten 4 Prozent, einen automatischen Inflationsausgleich 5 Prozent, Urlaubsgeld 8 Prozent, einen Zuschuss zur Kinderbetreuung 2 Prozent.

Bemerkenswert ist der Befund zur Kammer: 17 Prozent der Befragten haben bei der Arbeitsplatzwahl darauf geachtet, ob das Büro sie beim Kammerbeitritt unterstützt.

In der Praxis übernehmen 11 Prozent der Arbeitgebenden alle anfallenden Kosten, 14 Prozent einen Teil, 28 Prozent stellen für Fortbildungen frei – und 22 Prozent unterstützen gar nicht.

Das ist ein vergleichsweise günstiger Hebel für Büros, die sich abheben wollen. Der Weg in die Kammer kostet Berufseinsteigende Geld und Fortbildungsstunden, und 29 Prozent nennen die Kammer in der Umfrage „bisher ein Mysterium“.

Einstiegsgehälter deutlich gestiegen

Beim Gehalt hat sich seit der ersten Befragung viel bewegt. Das Median-Einstiegsgehalt nach dem Master liegt bei 48.000 Euro brutto im Jahr, gemittelt auf eine 40-Stunden-Woche und inklusive aller Zulagen.

Nach einem achtsemestrigen Bachelor sind es 45.000 Euro, nach einem sechssemestrigen 42.000 Euro.

Zum Vergleich: Im Report 2023/24 lag der Median für Master und Diplom bei 39.000 Euro. Das ist ein Zuwachs von rund 23 Prozent in zwei Jahren.

Der Blick auf die Sektoren dämpft die Freude allerdings.

Wer in einem Architektur- oder Planungsbüro anfängt, verdient im Median 44.800 Euro – der niedrigste Wert aller erfassten Bereiche. Im öffentlichen Dienst sind es 56.400 Euro, in Wissenschaft, Forschung und Lehre ebenfalls 56.400 Euro, im Ingenieurbüro 54.000 Euro und in der Projektsteuerung 51.000 Euro.

Der Abstand zwischen Planungsbüro und Behörde beträgt damit 11.600 Euro im Jahr.

Trotz der gestiegenen Einstiegsgehälter sind 55,8 Prozent der Berufseinsteigenden mit ihrer Bezahlung unzufrieden – 2023/24 waren es 52 Prozent.

Die Verhandlungskultur bleibt dabei schwach ausgeprägt: 56 Prozent haben ihr Gehalt überhaupt nicht verhandelt, 22 Prozent erfolgreich, 23 Prozent erfolglos. Knapp die Hälfte hat bislang keine Gehaltserhöhung erhalten.

Überstunden und nicht eingehaltene Zusagen

72 Prozent der Vollzeit-Berufseinsteigenden leisten regelmäßig Überstunden, im Schnitt 3,22 Stunden pro Woche. 79 Prozent bekommen diese Stunden nicht ausgezahlt.

Bei 10,5 Prozent summieren sich die Überstunden auf mehr als einen zusätzlichen Arbeitstag pro Woche. Immerhin: In 63 Prozent der Büros werden die Stunden mit einem Zeiterfassungstool genau erfasst.

Heller Büroraum eines Architekturbüros mit höhenverstellbaren Schreibtischen, CAD-Arbeitsplätzen, Planschrank und Architekturmodellen

Arbeitsplätze im Planungsbüro: Gut sieben von zehn Vollzeit-Berufseinsteigenden leisten regelmäßig Überstunden – bezahlt bekommt sie die Minderheit (KI-generiertes Symbolbild: Internet für Architekten)

Zwei weitere Zahlen sollten Büroinhaber:innen nachdenklich machen.

17 Prozent der Befragten haben nach eigener Einschätzung arbeitsrechtlich unzulässige Formulierungen im Vertrag. Genannt werden unter anderem pauschal eingeschlossene Überstunden, ein Verbot, über das Gehalt zu sprechen, und Dienstfahrten auf Privatkosten.

21 Prozent haben sich am Arbeitsplatz schon einmal diskriminiert gefühlt. Die Freitextantworten reichen von Sexismus über Altersdiskriminierung bis zu ständiger Erreichbarkeit.

Am schärfsten fällt der Wert zu den Zusagen aus:

81 Prozent geben an, ihre Arbeitgebenden hielten sich nicht an Vereinbarungen aus dem Bewerbungsgespräch. Genannt werden Gehalt, Überstundenvergütung, Homeoffice-Regelungen und Aufstiegschancen.

nexture+ weist selbst darauf hin, dass es sich um die einseitige Sicht der Befragten handelt und nicht zwischen gebrochenen schriftlichen Verträgen und nicht eingehaltenen mündlichen Absprachen unterschieden wurde.

In der Vorgängerbefragung lag dieser Wert bei 18 Prozent. Ein Sprung in dieser Größenordnung deutet eher auf eine veränderte Fragestellung als auf einen Einbruch der Vertragstreue hin.

Belastbar bleibt der qualitative Kern: Was im Bewerbungsgespräch versprochen wird, landet zu selten im Vertrag.

Wo der Nachwuchs sich unvorbereitet fühlt

Aufschlussreich für die Einarbeitung ist die Frage, in welchen Bereichen sich die Befragten noch nicht gut auf den Beruf vorbereitet fühlen.

Ganz vorn liegen die Bauleitung (65 Prozent) und Ausschreibung und Vergabe (60 Prozent), gefolgt von Projektmanagement (45 Prozent), gutachterlichen Tätigkeiten (42 Prozent) und Bauherrenvertretung (41 Prozent).

Beim Entwurf fühlen sich dagegen nur 15 Prozent unsicher.

Die Lücke liegt also genau dort, wo Büros ihr Geld verdienen. Ein strukturiertes Onboarding in AVA und Bauleitung ist damit kein Zusatzangebot, sondern die naheliegendste Investition – zumal 40 Prozent der Befragten persönliche Entwicklungsmöglichkeiten zum Auswahlkriterium erklärt haben.

Was Büros daraus mitnehmen können

Die Wechselbereitschaft ist hoch: 70 Prozent spielen mit dem Gedanken, ihren Arbeitsplatz in naher Zukunft zu wechseln. 42 Prozent denken über einen Wechsel in eine ganz andere Branche nach, 3,1 Prozent haben ihn bereits vollzogen.

Zwei junge Menschen gehen durch einen gepflasterten Hinterhof auf den Eingang eines grauen Bürogebäudes zu

Ob der Nachwuchs bleibt, entscheidet sich im Arbeitsalltag: Sieben von zehn Befragten denken über einen Wechsel nach (KI-generiertes Symbolbild: Internet für Architekten)

Nur 32 Prozent sehen in ihrem jetzigen Unternehmen gute Aufstiegschancen.

Das betrifft vor allem kleine und mittlere Büros, denn 74 Prozent der Befragten arbeiten in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden. Fünf Ansatzpunkte lassen sich aus den Daten ableiten:

  • Zusagen verschriftlichen. Was im Bewerbungsgespräch besprochen wird, gehört in den Vertrag oder in eine Gesprächsnotiz.
  • Überstunden regeln statt aussitzen. Erfassung allein genügt nicht – entscheidend ist, was danach passiert.
  • Kammerbeitritt unterstützen. Kostenübernahme und Freistellung sind ein günstiges, sichtbares Signal.
  • Onboarding in AVA und Bauleitung. Genau dort fühlt sich der Nachwuchs am schwächsten aufgestellt.
  • Stellenanzeigen neu ausrichten. Arbeitsklima, Entwicklung und Verlässlichkeit wiegen schwerer als Preise und Referenzprojekte.

Für die Personalgewinnung ist der Report damit eine ungewöhnlich präzise Handreichung: Er benennt nicht nur, was fehlt, sondern auch, worauf es dem Nachwuchs tatsächlich ankommt.

Der Nachwuchsreport 2025/26 steht auf der Website von nexture+ kostenlos zum Download bereit. Die Printauflage wird beim Nachwuchsarchitekt:innentag 2026 in Karlsruhe verteilt.

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