MCP im Planungsbüro: Wie KI-Chatbots direkten Zugriff auf Fachsoftware und Bürodaten bekommen

Ein Chatbot, der Ihr Revit-Modell liest, eine GAEB-Datei durchrechnet, ein Miro-Board fortschreibt oder einen Beitragsentwurf auf der Büro-Website anlegt – technisch ist das seit einigen Monaten möglich.

Der Weg dorthin heißt Model Context Protocol, kurz MCP. Dieser Fachartikel beschreibt, wo das im Planungsbüro heute schon funktioniert und wo noch Nachholbedarf besteht.

MCP im Planungsbüro: Wie KI-Chatbots direkten Zugriff auf Fachsoftware und Bürodaten bekommen

Dank MCP kann ein KI-Chatbot bzw. ein KI-System wie Claude Desktop oder Langdock mit fremder Software verbunden werden (Grafik: Internet für Architekten)

Bis vor Kurzem endete die Zusammenarbeit mit einem KI-Chatbot an einer klaren Grenze: Man konnte Dateien hochladen und Texte einfügen, aber die Fachsoftware (CAD, BIM, AVA, Projektmanagement …) blieb außen vor. Wer wissen wollte, wie viele Türen im zweiten Obergeschoss geplant sind, öffnete das BIM-Modell oder die CAD-Zeichnung und zählte nach.

Das Model Context Protocol ändert diese Ausgangslage. Es ist ein offener Standard, entwickelt ursprünglich von Anthropic (dem Anbieter von Claude). Seit Ende 2025 wird er von der Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation verwaltet.

Autodesk vergleicht ihn mit einer „API für KI“: eine einheitliche Schnittstelle, über die ein Chatbot mit beliebigen Programmen und Datenquellen sprechen kann. Statt für jede Kombination aus KI und Software eine eigene Brücke zu bauen, genügt ein MCP-Server je Programm – und der funktioniert dann mit Claude ebenso wie mit ChatGPT, Gemini oder Copilot.

Wichtig: In der Praxis begegnet Ihnen MCP oft unter einem anderen Namen – in Claude etwa richtet man solche Verbindungen als Konnektoren ein, in ChatGPT als Plugins, andere Anbieter sprechen von Integrationen.

Zwei Arten von Servern, zwei Arten von Risiko

Bevor es hier um die Möglichkeiten bei der KI-Arbeit mit einzelnen Programmen geht, lohnt eine Unterscheidung, die im Büroalltag wichtig ist:

  1. Bei der ersten Gruppe ruft die KI Ihre Daten ab: aus dem Revit-Modell, dem LV, der Buchhaltung, der Dateiablage. Hier ist das entscheidende Thema der Datenschutz, denn Projekt-, Honorar- oder Personendaten verlassen dabei das Büro (sie werden vom Sprachmodell des Chatbots verarbeitet, oft außerhalb der EU).
  2. Bei der zweiten Gruppe holt sich die KI eine Leistung – etwa ein generiertes Bild. Aus dem Büro geht nur ein Prompt hinaus, zurück kommt ein neues Ergebnis. Die entscheidende Frage hier: Wie hoch sind die laufenden Kosten? Denn jeder Aufruf verbraucht Guthaben.
Schema mit zwei MCP-Server-Arten links und rechts eines KI-Chatbots in der Mitte

Zwei Arten von MCP-Servern: Bei der einen Gruppe fragt die KI eigene Daten ab oder bedient eine Software, bei der anderen holt sie sich eine Leistung (Grafik: Internet für Architekten)

MCP für CAD und BIM: beeindruckend, aber noch eng begrenzt

Wie ist nun der Stand bei der Verbindung zwischen KI und CAD oder BIM? Hier warten viele Planende (das weiß ich aus meinen Beratungsgesprächen und Seminaren) auf einen Durchbruch, um lästige Routineaufgaben an die Maschine zu delegieren.

Ein kurzer Überblick: Am weitesten ist Autodesk. Seit Juni 2026 gibt es den Revit Public MCP Server, den ersten offiziellen und herstellergestützten Zugang dieser Art in der Planung. Diverse Werkzeuge stehen bereit: Modell filtern, Elementdaten lesen, Elemente auswählen, heranzoomen, Ansicht öffnen, exportieren.

Suchen und Finden einer Bürotür in Revit 2027 mit dem Public MCP Server in Claude Desktop (Screenshot: Autodesk)

Suchen und Finden einer Bürotür in Revit 2027 mit dem Public MCP Server in Claude Desktop (Screenshot: Autodesk)

Zwei Einschränkungen sind wichtig. Der Server läuft ausschließlich mit Revit 2027. Und er arbeitet nur lesend – Autodesk formuliert das als bewusste Entscheidung und kündigt einen getrennten Server für Schreibzugriffe an.

Hinweis: Der Revit Public MCP Server ist etwas anderes als der Autodesk Assistant, dem Chat-Panel in Revit selbst. Auch das arbeitet mit MCP-Werkzeugen und kann sogar Parameter ändern – allerdings mit dem Sprachmodell, das Autodesk mitliefert. Der öffentliche MCP-Server geht den umgekehrten Weg: Er öffnet das BIM-Modell quasi „nach außen“ für den Chatbot Ihrer Wahl.

Wer erwartet, dass die KI mit dem Tool auf Zuruf Baukörper anlegt oder auch nur neue Wände einzieht, wird vorerst enttäuscht. Wer Auswertungen aus dem Modell zieht, bekommt ein brauchbares Werkzeug.

Daneben steht der kostenlose Product Help MCP Server, der KI-Assistenten Zugriff auf die Dokumentation von über 110 Autodesk-Produkten gibt. Er braucht keine Lizenz und eignet sich gut zum Ausprobieren.

Autodesks deutschsprachige Produktseite kündigt die MCP-Server im August 2026 noch als „demnächst verfügbar" an. Auf der englischsprachigen Fassung und in der Revit-Hilfe ist der "Revit Public MCP-Server" dagegen bereits als Technology Preview beschrieben. (Screenshot: Internet für Architekten)

Autodesks deutschsprachige Produktseite kündigt die MCP-Server im August 2026 noch als „demnächst verfügbar“ an. Auf der englischsprachigen Website und in der Revit-Hilfe ist der „Revit Public MCP-Server“ dagegen bereits als Technology Preview beschrieben. (Screenshot: Internet für Architekten)

Für alle, die nicht auf Autodesks Schreibzugriff warten möchten, gibt es im Design and Make Marketplace bereits einen kommerziellen Anbieter: Der AI Workflow Connector von Geopogo kostet momentan knapp 20 US-Dollar im Monat und arbeitet mit Revit 2025 bis 2027. Er kann Wände, Decken, Dächer, Türen und Fenster auch anlegen. Alle Schreibvorgänge laufen als Revit-Transaktion und lassen sich rückgängig machen.

Bei den übrigen Anbietern und CAD- bzw. BIM-Programmen wird das Bild schnell dünner:

Bluebeam liefert MCP produktiv im Abonnement Bluebeam Max aus, seit Mai 2026 weltweit.

Trimble bietet seit April 2026 einen SketchUp-Connector für Claude, der aus Text oder Skizzen eine fertige SKP-Datei erzeugt – bestehende Modelle bearbeiten kann er allerdings nicht.

Direkt im Chatbot kann man mit dem SketchUp-Connector für Claude einfache 3D-Modelle erzeugen lassen und sie dann in Sketchup weiterbearbeiten (Collage: Internet für Architekten)

Direkt im Chatbot kann man mit dem SketchUp-Connector für Claude einfache 3D-Modelle erzeugen lassen und sie dann in Sketchup weiterbearbeiten (Collage: Internet für Architekten)

Für Rhino und ArchiCAD gibt es bislang nur Projekte aus der Open-Source-Gemeinde, es steht also kein Hersteller dahinter. Das Spektrum reicht von ausdrücklich als Alpha gekennzeichneten Ansätzen bis zu durchaus gepflegten Werkzeugen.

Graphisoft hat einen eigenen MCP-Server im Juni 2026 auf die „Roadmap“ gesetzt, allerdings ohne einen konkreten Termin zu nennen.

Für Vectorworks, ALLPLAN, Bentley und BricsCAD konnte ich bisher keine Entwicklungen in Sachen MCP ausmachen – was nicht bedeutet, dass diese Programme keine KI enthielten. Eingebaute Bildgeneratoren bzw. Assistenten sind dort längst vorhanden, sie lassen sich nur nicht von außen (per MCP) ansprechen.

Bürosoftware und PM-Tools: hier funktioniert erstaunlich viel per MCP

Wer den Blick vom 3D-Modell auf den Schreibtisch zu den klassischen Büroarbeiten richtet, findet eine deutlich reifere Landschaft vor. Die weltweit führenden Tools für Projektmanagement und webbasierter Zusammenarbeit haben MCP längst im Programm:

Slack, Jira, Confluence, Asana, Notion, monday.com, Miro (!), Box und Dropbox (und viele weitere) bieten offizielle MCP-Server an, die sich leicht nutzen lassen. Für Büros, die mit diesen Werkzeugen arbeiten, ist der Einstieg eine Sache von Minuten.

Konnektoren (also MCP-Server) von Tools aus der Kategorie "Produktivität" im Verzeichnis von Claude (Screenshot: Internet für Architekten)

Konnektoren (also MCP-Server) von Tools aus der Kategorie „Produktivität“ im Verzeichnis von Claude (Screenshot: Internet für Architekten)

Auch Google betreibt im Rahmen der Office-Suite Google Workspace für Dienst einen eigenen MCP-Server – Gmail, Drive, Docs, Sheets, Kalender, und zwar lesend wie schreibend.

Und wer im Büro mit Microsoft 365 Copilot arbeitet, kann seit Frühjahr 2026 ebenfalls MCP nutzen und den Chatbot mit denselben Servern verbinden wie Claude oder ChatGPT. Die Freigabe läuft über das Microsoft 365-Admin Center (dort „Custom Connectors“ genannt).

Was geht per MCP mit deutschsprachiger Fachsoftware?

Anders sieht es bei fachspezifischer Software aus, wie sie in deutschen Planungsbüros weit verbreitet ist: Für untermStrich, PROJEKT PRO, KOBOLD Control, ORCA AVA, NEVARIS und RIB iTWO konnte ich bei meinen Recherchen keinen MCP-Server finden – bei mehreren dieser Anbieter finden sich auch ganz allgemein zu KI-Funktionen keine öffentlichen Aussagen.

Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Ein MCP-Server setzt praktisch immer auf einer modernen Web-Schnittstelle auf. Wo eine Software historisch gewachsen ist und ihren Schwerpunkt auf lokalem Betrieb hat, fehlt diese Grundlage schlicht.

Hinzu kommt die Marktgröße: Der Aufwand für einen gepflegten, sicheren Server rechnet sich bei einigen Tausend Lizenzen anders als bei Slack; Notion oder Google Drive. Und Honorardaten sind sensibler als eine Aufgabenliste – Zurückhaltung ist hier vermutlich auch Vorsicht.

Der Umweg über das Datenformat – Beispiel pyGAEB

Die Lücke lässt sich trotzdem schließen. Möglich macht das ein einfacher Gedanke: Angesetzt wird bei den Dateien, die eine Software erzeugt. Ein gutes Beispiel ist pyGAEB, eine quelloffene Bibliothek, die seit Version 1.15 einen MCP-Server mitbringt.

Damit lässt sich eine GAEB-Datei direkt im Chatbot befragen: Wie hoch ist die Gesamtsumme? Welche fünf Positionen treiben die Kosten? Was hat sich gegenüber der Vorwoche geändert, und was kostet das? Die Summenbildung folgt dabei der VOB/A, Alternativ- und Eventualpositionen werden korrekt ausgeklammert – ein Detail, an dem eine naive Addition scheitern würde.

Hinweis zu pyGAEB: Etwas Technik ist nötig

Das Open Source-Tool pyGAEB wird über die Kommandozeile eingerichtet, nicht per Installationsprogramm. Für die meisten Büros ist das eine Hürde. Interessant ist der Ansatz dennoch, denn er zeigt eine Richtung: Wenn ein Werkzeug am Austauschformat ansetzt, funktioniert es unabhängig davon, mit welcher Software das Leistungsverzeichnis entstanden ist. Was heute noch technisches Bastelwerk ist, dürfte in ein bis zwei Jahren als fertige Anwendung verfügbar sein.

Zwei Punkte sprechen für dieses Analyse-Tool: Es ist kostenlos, und der Lesezugriff lässt sich beim Start auf ein einziges Verzeichnis begrenzen. Die GAEB-Datei selbst verlässt den Rechner nicht. Die Antworten allerdings schon, denn der Chatbot muss sie lesen, um zu formulieren.

Genau dieselbe Logik gilt im BIM-Umfeld für IFC: Auch dort gibt es Server, die am offenen Format ansetzen statt an einem bestimmten Programm.

Wenn der Chatbot die eigene Büro-Website pflegt

Der praktischste Einstieg liegt womöglich näher, als es dieser Beitrag bislang nahelegt. Über ein kostenloses Plugin lässt sich z. B. eine WordPress-Installation als MCP-Server bereitstellen.

Ich habe das kürzlich selbst für mehrere Websites eingerichtet und dazu AI Engine genutzt. Siehe Screenshots unten.

Im WordPress-Plugin "AI Engine" wird die MCP-Funktionalität aktiviert und dem KI-System ein Link mitgeteilt (Screenshot: Eric Sturm)

Im WordPress-Plugin „AI Engine“ wird die MCP-Funktionalität aktiviert und dem KI-System ein Link mitgeteilt (Screenshot: Eric Sturm)

In Claude Desktop kann für jedes "Tool" des WordPress-Konnektors eingestellt werden, ob dieser ausgeführt werden darf. Und wenn ja, ob automatisch oder erst nach Freigabe durch die Anwenderin (Screenshot: Eric Sturm)

In Claude Desktop kann für jedes „Tool“ des WordPress-Konnektors eingestellt werden, ob dieser ausgeführt werden darf. Und wenn ja, ob automatisch oder erst nach Freigabe durch die Anwenderin (Screenshot: Eric Sturm)

Das Ergebnis? Der Chatbot liest dann Beiträge, legt Entwürfe an, lädt Bilder hoch, setzt sie ein oder füllt die SEO-Felder für ein Projekt oder eine News aus. Fühlt sich am Anfang merkwürdig an, erspart aber unendliches Copy-and-Paste und sehr viel nervige Klickarbeit 😅.

Ein weiterer Vorteil: Die Inhalte auf der eigenen Website sind in der Regel datenschutzrechtlich unkritisch: keine (personenbezogenen) Bauherrendaten, keine Honorare, keine Personalstunden.

Demnächst stelle ich die Möglichkeiten der Website-Bearbeitung per MCP als eigenen Beitrag hier im Magazin vor (Tipp: Newsletter abonnieren ⤵️, um ihn nicht zu verpassen!).

MCP für Architektur- und Ingenieurbüros: Drei Empfehlungen zum Schluss

  • Klein anfangen. Tools wie Autodesk Product Help kosten nichts und sind schnell eingerichtet.
  • Lesend vor schreibend. Viele komplexeren Angebote beschränken sich bisher bewusst auf Lesezugriff. Dahinter steht eine durchdachte Sicherheitsentscheidung, die man beim Einstieg mitnehmen sollte.
  • Datenschutz getrennt prüfen. MCP transportiert Daten. Was über diesen Weg an einen Cloud-Chatbot geht, wird dort verarbeitet – mit allen Fragen zu Serverstandort, Auftragsverarbeitung und Trainingsnutzung.

Zurückhaltung ist dagegen bei den Open Source-Tools angebracht: Sie zeigen zwar auf, was technisch bereits möglich ist – und das ist oft fasziniert und verlockend.

Für die Produktivnutznung an echten Bauprojekten (also abseits von Tests in einer geschützen Entwicklungsumgebung) sollte man bedenken: Diese Community-Projekte entstehen in der Regel ohne Hersteller im Rücken, meist in der Freizeit einzelner Entwickler:innen, und niemand garantiert, dass die Pflege weitergeht.

Manche dieser Server führen Code direkt in der laufenden Anwendung aus, teils über nicht abgesicherte Verbindungen. Für den Produktivrechner mit echten Projektdaten taugt das nicht. Das gilt weniger für Werkzeuge, die nur Dateien lesen, wie pyGAEB, als für Server, die sich in eine laufende CAD-Anwendung einklinken.

Mein Fazit für MCP im Planungsbüro

In dieser Technik steckt unglaublich viel Potential – und die Richtung stimmt, trotz der vemeintlich zögerlichen Entwicklung hier und da: Autodesk hat den Schreibzugriff angekündigt, Graphisoft einen eigenen MCP-Server auf die Roadmap gesetzt, und die „Autodesk University“ im September 2026 dürfte interessante Neuerungen liefern.

Für den Büroalltag heißt das: Wer die Entwicklung jetzt beobachtet und im Kleinen ausprobiert, ist vorbereitet, wenn die Werkzeuge tragfähig werden.

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