Internet-Portale für Architekten (und wie man sie optimal nutzt)

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Gastbeitrag von Frank Peter Jäger, Archikontext, Berlin (März 2005)

Das Medium Internet ist nicht mehr wegzudenken aus der modernen Dienstleistungswelt. Deshalb hat sich in den vergangenen Jahren auch die Zahl der architekturbezogenen Angebote immer weiter aufgefächert. Da die Architektur es in vielen Medien nicht leicht hat, sich Geltung zu verschaffen, liegt die Frage nahe, ob das Web eigentlich besondere Chancen bietet, Architektur und Architektenprofile zu kommunizieren. Doch die Möglichkeit der Darstellung von Räumen oder bewegter Bilder wird bisher kaum wahrgenommen. Fast alle architekturbezogenen Sites und Portale beschränken sich in der Art von Zeitschriften auf zweidimensional aufbereitete Inhalte.

Neue Regionalportale am Start

Während viele schon länger bestehende Adressen an Attraktivität und Aktualität eingebüßt haben, und ein hervorragendes Portale wie a-matter.com offenbar eingestellt wird, tauchen kontinuierlich neue Angebote auf. Dabei ist es eine Paradoxie des “ortlosen” Mediums Internet, dass seine interessantesten Potentiale momentan in der Regionalisierung liegen: Erst im Januar 2005 ging das Portal muenchenarchitektur.com an den Start – und überzeugt auf Anhieb durch vielseitige Inhalte und ein ansprechendes Layout. In anderen Städten stehen ähnliche Unternehmungen in den Startlöchern. Damit werden die lokalen Architekturszenen in ihrem Austausch endlich unabhängiger von den Architekturthemen selten sonderlich aufgeschlossenen Tageszeitungen. Zugleich werden die Portale zur Konkurrenz für die Fachzeitschriften, denn sie sind kostenlos – und viel schneller.

Diese Vorzüge alleine werden ihr Überleben auf Dauer allerdings nicht sichern – wenn sie nicht zugleich über ein starkes Konzept verfügen wie etwa das Portal nextroom.at, das von Wien aus redaktionell betreut wird. Ein Anliegen der Betreiber ist die kontinuierliche Präsentation und Archivierung von Werken des zeitgenössischen Bauens. Da man aber die Gefahr unkritischer Präsentation erkannte, entwickelte man ein Kuratorenkonzept: diese wählen in regelmäßigen Abständen jene Bauten aus, die ins Archiv aufgenommen werden. Man versteht sich ausdrücklich als internationales Portal. Neben Terminen, Buchhinweisen und Gastbeiträgen erspart insbesondere die “Presseschau” dem interessierten Architekten viel Zeit und Geld, denn hier sind – tagesaktuell – alle das Bauen und seine Nachbardisziplinen betreffenden Beiträge aus den großen deutschsprachigen Tageszeitungen aufgeführt.

Themen-Portale

Damit zeichnet sich neben der Regionalisierung zugleich eine Spezialisierung der Angebote ab: geradezu mustergültig steht dafür die Seite competitionline.de die sich konsequent auf Informationen und Angebote rund um Architekturwettbewerbe spezialisiert hat. Das von der deutschen Verlagsanstalt betriebene Portal arcguide.de versteht sich wie Internet-fuer-architekten.de als Internet-Führer. Es ist thematisch breiter angelegt, aber auch etwas weniger übersichtlich. Auf der Seite archikontext.de findet man Beiträge zum Thema Architektur und Öffentlichkeitsarbeit sowie eine kommentierte Liste der Architekturgalerien im deutschsprachigen Raum.

Auch die Internet-Auftritte der Architektenkammern haben erheblich an Nutzwert gewonnen, seit man dazu übergeht, die Mitglieder zumindest passiv bei ihrer Präsentation zu unterstützen. Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat mit architektenprofile.de sogar eine eigene Domain aufgebaut, von der aus man unkompliziert Architektenprofile abrufen kann. Die Bundesarchitektenkammer informiert mit ihrer Seite architekturexport.de über alle Aspekte des Bauens im Ausland, benennt Ansprechpartner und weist auf Veranstaltungen zum Thema hin.

Wer sich schon jetzt in den Architekturszenen anderer Länder umtun will, dem werden die sehr reichhaltigen Linklisten des Architekturzentrums Stuttgart (architekturzentrum-stuttgart.de) sowie des Architekturzentrums Wien (azw.at) und des Baunetzes (baunetz.de) dabei wertvolle Dienste leisten. Neben den internationalen Links findet man hier auch wenig bekannte inländische Angebote, etwa Portale und Datenbanken von Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Es wäre wahrscheinlich Stoff für eine wissenschaftliche Abhandlung, zu ermitteln, inwiefern Architekten und Fachplaner über den Eintrag in Internet-Architektenverzeichnissen zu Aufträgen gelangen. Ist der Eintrag in ein Verzeichnis kostenlos, wird der Entschluss leicht fallen. Allerdings ist auch eine kostenlose Web-Präsenz von fraglichem Image-Wert, wenn das betreffende Portal schlecht gepflegt wird. Die Preisspanne bei den kostenpflichtigen Angeboten ist erheblich, weshalb ein Preisvergleich lohnt; und weil das Angebot groß ist, darf man wählerisch sein (vgl. Kasten). Niemand sollte überzogene Erwartungen an Architektenverzeichnisse knüpfen – noch immer kommen die meisten Aufträge aufgrund persönlicher Kontakte zustande.

Kriterien für die Wahl eines Präsentationsportals

Ein in Betracht gezogenes Portal sollte in jedem Fall daraufhin getestet werden, ob der einzelne Eintrag von Suchmaschinen erfasst werden kann oder nicht. Bei competitionline.de ist das der Fall, bei baunetz.de aktuell nicht. Zweifellos macht es ein Portal attraktiv, wenn sie nach Eingabe entsprechender Suchbegriffe (z. B. Bauen, Architekt, XY-Stadt) von Suchmaschinen relativ weit vorne gelistet werden. Zu den Standards sollte es gehören, dass man vom Listeneintrag per Mausklick direkt auf die Website des jeweiligen Architekturbüros gelangt.

Enthält ein Portal sehr viele Einträge, tut sein Betreiber gut daran, sie regional zu ordnen (wie z. B. germanarchitects.com) und sie ggf. zusätzlich mit Hilfe einer Suchmaske oder Themen zu gliedern (wie bei baudatenbank.com oder architekten24.de). Dabei sollte die Suche naheliegenden Kriterien folgen wie “Region” und “Bauaufgabe” und auch sonst so leicht wie möglich gemacht werden – anders als im Portal baudatenbank.com, wo man bei der Architektensuche zunächst umständlich seine Adresse in eine Maske eintragen und die gewünschten Leistungen anklicken muss, bevor sich das Register öffnet.

Portale, in denen man Architekten ausschließlich über eine Suchmaske finden kann, haben gegenüber solchen, die parallel den Zugriff auf regionale oder thematische Listen ermöglichen, den Nachteil, dass ein gezieltes Suchen erfordern. Das einzelne Architekturbüro hat dadurch keine Möglichkeit, durch ein ansprechendes Präsentationsfeld (und sei es nur wenige Zentimeter hoch) Aufmerksamkeit zu wecken, wie es z. B. im Architektenregister von muenchenarchitektur.com möglich ist. Leicht handhabbar sind auch Suchmaschinen, wie die von architektenprofile.de, wo es genügt, “Architekt” anzuklicken und dann den Namen der gewünschten Stadt. Der Erfolg eines solchen Eintrags hängt schließlich auch davon ab, dass man sich die Mühe macht, ihn regelmäßig zu aktualisieren. Übrigens schadet es nicht, wenn ein Architektenverzeichnis auch in englischer Sprache abrufbar ist.

Damit ein Internet-Angebot auch tatsächlich von potentiellen Bauherren frequentiert wird, muss sein Profil zur Zielgruppe passen – etwa durch entsprechende Angebote und informativen Mehrwert (Bau-Tipps, Finanzierungs- und Einsparungstipps, etc.). Die richtigen Zielgruppen erreichen auch Immobilien-Portale oder Angeboten wie die vom Verlag Gruner + Jahr betriebene Seite, die sich an die Leser von Zeitschriften wie “Häuser” oder “Schöner Wohnen” richtet. Sie verfügt über ein eigenes Architektenverzeichnis (livingathome.de/planen_bauen/architekturbueros).

Im übrigen sind Architekten nicht nur in Bau-Portalen gut aufgehoben: Ein Bauherr in Tübingen sucht wahrscheinlich zuerst in Tübingen nach dem passenden Architekten – weswegen es nützlich sein kann, im Online-Branchenverzeichnis von Industrie- und Handelskammern und Städten oder in anderen Regionalportalen verzeichnet zu sein. Gut gepflegt sind meist die Portale von Tageszeitungen. Für Architektenverbände oder einzelne Büros kann es – vor allem abseits der Großstädte – interessant sein, mit den Verlagen über die Einrichtung entsprechender thematischer Rubriken (z. B. “Bauen und Architektur”) zu verhandeln.

Die heute bestehenden Internetangebote zur Architektur sind zunehmend besser vernetzt. Architekturbüros sollten sich dieses dicht geknüpfte Netz zunutze machen, und darüber nachdenken, wie die für andere Nutzer interessanten Inhalte ihrer Seite mit stark frequentierten Seiten verlinkt werden können – damit möglichst viele Besucher die eigene Präsentation entdecken. Damit Domains auf breites Interesse stoßen, kommt es darauf an, dass sie über die bloße Selbstdarstellung hinausgehen und stattdessen Nutzwert unterschiedlichster Art bieten.

Die richtigen Links

Besonders interessant als Linkpartner sind Seiten, die bei Anfragen über Suchmaschinen weit vorne gelistet werden. Erreichbar wird die eigenen Website natürlich erst durch eine Link, der von der anderen Seite ausgeht – und der ist meist nicht ohne Gegenleistung zu haben und macht nur Sinn, wenn es auf der anderen Seite eine inhaltliche Entsprechung gibt. Damit die an Ihre Seite gekoppelten thematischen Stichworte auch durch Suchmaschinen erfasst werden können, sollten alle Seiten, vor allem aber die Startseite ohne Frameset programmiert werden. Weitere Tipps für die Gestaltung von Internet-Auftritten für Architekturbüros finden Sie hier auf Internet-fuer-Architekten.de oder auch unter archikontext.de (Rubrik “Referenzen”).

Bis sie eine echte Alternative zu Zeitschriften darstellen, müssen die Betreiber vieler Portale noch ein paar Hausaufgaben machen. Schwachpunkt vieler Sites ist ihr vages Konzept und Zielgruppenprofil: Hier über ein Wettbewerbsergebnis, da über eine Ausstellung oder ein neues Architektur-Buch berichtet – ein buntes Allerlei also zusammenzustellen, das “irgendwie” mit Architektur zu tun hat – das macht noch kein rundes Konzept. Das bunte Allerlei hat nebenbei zur Folge, dass viele Domains mit der Zeit immer mehr zuwuchern. Dagegen hilft nur beherztes Entrümpeln!

Viele Anbieter lassen zudem nicht klar erkennen, ob sie in erster Linie Informationsquelle und Forum für Architekten sein wollen oder aber eine Plattform zur Unterstützung der Akquisition. Entscheidet sich ein Anbieter für das Prinzip Forum, erscheint es inkonsequent, im großen Stil Architekturbüros zu präsentieren. Das gut eingeführte Baunetz erfüllt seit langer Zeit beide Funktionen – doch hier ist das Angebot so umfassend, dass der Anspruch, zugleich Anlaufpunkt für Architekten, Baubranche und Bauherren zu sein, plausibel erscheint. Das gilt auch für die umfangreichen und klar gegliederten Inhalte des Portals baudatenbank.com sowie für die Seite baudienst.de.

Das “Architektenweb” (architektenweb.de) hat dagegen in erster Linie praktischen Nutzwert für Architekten – man findet Modellbauer, Fotografen und Partner am Bau.

Was man indes landauf, landab vergeblich sucht, sind Internet-Portale, die als Bindeglied zwischen Architekturszene und anderen Disziplinen wirksam werden. Auch zur übrigen Kulturszene, etwa zu den Bildenden Künsten gibt es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Vernetzungen. Die Internet-Seiten regionaler Kulturkalender, von Kulturämtern und Kunstvereinen und Archiven böten zumindest die Möglichkeit für entsprechende inhaltliche Verweise. Fast scheint es, dass die Architekturszene ihre Berührungsängste gegenüber der breiten Öffentlichkeit auch im “World Wide Web” weiter pflegt.

Anhang: Überblick Architektur-Portale

Portale, Foren und Online-Magazine (in Auswahl)

  • arch-forum.ch: Eine unabhängige, in Zürich produzierte Internet-Plattform, bietet umfangreiche Informationen von und für Architekten in der Schweiz und anderswo. Dazu zahlreiche Links und aktuelle redaktionelle Beiträge.
  • Baunetz.de
  • Koelnarchitektur.de
  • www.muenchenarchitektur.com: Besteht seit Januar 2005. Neben redaktionellen Inhalten wie Terminen, Neuigkeiten aus der regionalen Architekturszene, Interviews, Artikeln und Service-Links besteht für Architekten der Region die Möglichkeit, sich in bebilderten Porträts darzustellen.
  • www.nextroom.at: Architekturportal aus Wien, das auf dem besten Weg ist, sich zum österreichischen Pendant des Baunetzes zu mausern. Allerdings versteht man sich als internationales Portal. Neben Artikel, Buchtipps und der Presseschau steht das Online-Architekturarchiv, das europaweit ausgeweitet wird.

Präsentationsportale/Architektur-Datenbanken (in Auswahl)

  • archinform.de
  • architekten24.de
  • architektenprofile.de
  • architekten-verzeichnis.net
  • architektenweb.de
  • baudatenbank.com
  • bda.de
  • competitionline.de
  • germanarchitects.com
  • livingathome.de/planen_bauen/architekturbueros/
  • muenchenarchitektur.com
  • nextroom.at

Berufspraktische Angebote

  • architekturexport.de
  • archikontext.de: Internet-Seite zum Thema Architektur und Öffentlichkeitsarbeit, u. a. mit einer kommentierten Übersicht der deutschen Architekturgalerien und Architekturzentren.
  • akh.de: Der Nutz- und Informationswert des Portals der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen geht deutlich über das hinaus, was man als Programm einer Kammer-Seite erwarten würde. ƒhnlich umfangreich sind auch die Seiten der Länderkammer Baden-Württemberg (akbw.de) sowie Nordrhein-Westfalen (aknw.de).

Architekturfotografie

  • bauzeitung.de: (Rubrik “db.Recherche” > “Fotografendatenbank”): Die Fotografendatenbank der “db”
  • azw.at (Rubrik “Links” > “Architekturfotografie”): Architekturfotografie-Links des Architekturzentrums Wien
  • architektenweb.de (Rubrik “Architekturfotografie”)
  • architekturbild e. v.

08.03.2005

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