GPT Image 2 in der Praxis: Vom Handy-Foto zum schnellen Entwurf für eine Fassadensanierung

Letzte Woche habe ich hier im Magazin das neue Bildmodell GPT Image 2 vorgestellt.

Heute folgt ein Praxistest mit einem KI-gestützten Workflow für die Akquise- bzw. Vorentwurfsphase beim Bauen im Bestand: Aus einem Smartphone-Schnappschuss wird in zwei Schritten ein schneller Entwurf für eine Fassadensanierung.

Bild-KI beim Bauen im Bestand: Von der Schrägansicht zum Entwurf für eine sanierte Fassade (Abbildungen: Internet für Architekten)

Bild-KI beim Bauen im Bestand: Von der Schrägansicht zum Entwurf für eine sanierte Fassade (Abbildungen: Internet für Architekten)

Zum Vorgehen: Die Prompts habe ich im Dialog mit Claude entwickelt, die Bilder dann direkt in ChatGPT erstellt.

Vorab ein wichtiger Hinweis: Das im Beitrag gezeigte Haus existiert nicht. Ich habe es mit GPT Image 2 generiert, um den Workflow rechtlich sauber dokumentieren zu können – ohne Diskussion über Panoramafreiheit, Persönlichkeitsrechte oder ggf. verärgerte Eigentümer:innen.

Schritt 1: Vom Schrägfoto zur Frontalansicht

Das Szenario: Eine Bauherrschaft schickt ein Foto ihres Hauses, schräg fotografiert vom Bürgersteig aus, z. B. mit einem ganz normalen Mobiltelefon.

Damit beginnt die Arbeit im Planungsbüro damit. Der Prompt an GPT Image 2 könnte sinngemäß lauten: „Ändere die Perspektive – zeige die Fassade als reine Frontalansicht.“

Im ersten Schritt wird ein Handyfoto (Schrägansicht, Bild links) zu einer Frontalansicht umgewandelt (Abbildungen: Internet für Architekten)

Prompt Nr. 1 (in meinen Tests habe ich den Prompt auf Englisch geschrieben):

Change the perspective: show the facade of the house as a plain frontal view. Do a parallax correction.

Das Ergebnis ist eine annähernd frontale Ansicht. Geometrisch exakt ist sie nicht: Eine Restschräge bleibt erkennbar, Proportionen verschieben sich leicht, einzelne Details werden vom Modell neu interpretiert.

GPT Image 2 entzerrt das Foto nicht im technischen Sinn, sondern generiert ein neues Bild, das einer Frontalansicht nahekommt.

Für die Akquisephase beispielsweise reicht das in vielen Fällen aus – als Kommunikationsmittel! Die Bauherrschaft sieht ihr Haus frontal und in einer Form, die sich gut beschriften und besprechen lässt.

Die Transformation von der Schrägansicht zur Frontalansicht kann man direkt im Chatbot durchführen (Abbildungen: Internet für Architekten)

Die Transformation von der Schrägansicht zur Frontalansicht kann man direkt im Chatbot durchführen (Abbildungen: Internet für Architekten)

Schritt 2: Der Sanierungsentwurf

Auf Basis der Frontalansicht generiert GPT Image 2 in der zweiten Runde einen schnellen Sanierungsentwurf. Ein präziser Prompt zahlt sich hier aus: Welche Bauteile bleiben erhalten? Welche werden erneuert? Welche Materialien und Farben kommen zum Einsatz?

Prompt Nr. 2 (jetzt auf Deutsch, um spezifische Begriffe wie „Kämpfersprosse“ präziser zu übermitteln)

Denkmalgerechte Sanierung dieses fränkischen Giebelhauses. Erhalten: Proportionen, Fensteranordnung, Blickwinkel, Bildausschnitt, Sandstein-Fenstergewände (gereinigt, mit leichter natürlicher Patina, nicht wie neu wirkend), schmiedeeiserne Fenstergitter im Erdgeschoss (aufgearbeitet, matt schwarz lackiert).

Erneuert: Dach komplett neu eingedeckt mit Biberschwanz-Tonziegeln in warmem Naturrot, gleichmäßig gebrannt, ohne Moos und Verfärbungen, frisch gedeckt. Klar definierter Dachüberstand mit sauberer Traufausbildung, kein sichtbares Holz von außen, nur die Untersicht der Sparren am Überstand sichtbar (gehobelt, hell lasiert). Kein Schornstein (Sanierung mit Wärmepumpe, kein Festbrennstoff).

Mineralischer Kalkputz, glatt bis fein abgezogen (nicht grob strukturiert, kein Kratzputz), in warmem Sandocker-Ton (Richtung RAL 1014 Elfenbein, leicht ins Ockerfarbene). Sichtbarer Sandsteinsockel ca. 40 cm hoch, passend zu den Fenstergewänden, leicht von der Putzfassade abgesetzt.

Holzklappläden im fränkischen Stil mit sichtbaren Lamellen, Z-Beschlag und sichtbarer Holzmaserung, matt lasiert in Ochsenblutrot (Richtung RAL 3009), nur an den drei Obergeschossfenstern. Erdgeschossfenster behalten ihre aufgearbeiteten Gitter ohne zusätzliche Läden. Restaurierte hölzerne Sprossenfenster, zweiflügelig mit Kämpfersprosse (zwei Felder pro Flügel), in gebrochenem Weiß.

Vorgarten: kein Maschendrahtzaun, stattdessen frisch gemähter Rasen, gepflegt, ohne Bewuchs am Sockel. Schmaler Kiesstreifen als Spritzschutz zwischen Sockel und Rasenfläche. Sauberer Übergang zur Straße.

Stil: ländliche fränkische Bautradition, denkmalpflegerisch zurückhaltend, frisch saniert aber nicht neu wirkend. Fotorealistisch, gleiches Abendlicht und Schattenwurf wie im Original.

Konkrete Angaben helfen dem Modell, denkmalpflegerisch zurückhaltend zu arbeiten: Biberschwanz-Tonziegel statt generischer Dachpfannen, mineralischer Kalkputz statt Kunstharz, Holzklappläden mit Z-Beschlag in Ochsenblutrot statt billiger Kunststoffläden.

Auch die Bauphysik und weitere Baudetails gehören in den Prompt – Sandsteinsockel, Kiesstreifen als Spritzschutz, gepflegter Vorgarten.

RAL-Farbtöne dienen dabei als Stimmungsanker, treffen aber nicht punktgenau. Die exakte Farbabstimmung gehört ohnehin auf den Bau, nicht in den Prompt.

Der zweite Prompt enthält diverse Material- und Farbvorgaben und ist daher entsprechend lang (Abbildung: Internet für Architekten)

In wenigen Iterationen entsteht in diesem Prozess ein vorher / nachher-Bildpaar, das man der Bauherrschaft im nächsten Termin auf den Tisch legen kann.

Was früher mehrere Stunden in Photoshop oder mit händisch erstellten Skizzen kostete, ist nun eine Sache von zwanzig Minuten.

Bild-KI beim Bauen im Bestand: Aus einem Handyfoto wird ein schneller Sanierungsentwurf für die Fassade (Abbildungen: Internet für Architekten)

Bild-KI beim Bauen im Bestand: Aus einem Handyfoto wird ein schneller Sanierungsentwurf für die Fassade (Abbildungen: Internet für Architekten)

Optionaler dritter Schritt: Die Strichzeichnung

Aus jeder der beiden Ansichten lässt sich mit einem weiteren Prompt eine reduzierte Strichzeichnung erzeugen. Material, Farbe und Lichtstimmung fallen weg, übrig bleiben Proportionen und Öffnungsgliederung.

Prompt Nr. 3

Wandle dieses Foto in eine reine Strichzeichnung um, im Stil einer architektonischen Aufmaßzeichnung. Nur schwarze Linien auf reinweißem Hintergrund. Keine Grautöne, keine Schatten, keine Texturen, keine Schraffuren, keine Farben. Gleichmäßig dünne, klare Konturlinien.

Solche Zeichnungen eignen sich für Fassadenstudien, in denen Varianten nüchtern verglichen werden sollen, für Vorgespräche mit der Denkmalpflege oder als Grundlage für Handzeichnungen, die im Büro weiterbearbeitet werden. Mit einer technischen CAD-Zeichnung haben sie nichts zu tun – es bleibt eine illustrative Darstellung, kein Bestandsplan.

Die Fassadenansicht als Strichzeichnung, ebenfalls KI-generiert (Abbildung: Internet für Architekten)

Tipp: Wer die Zeichnung weiter im Layoutprogramm oder beliebig skalierbar braucht, kann die PNG mit Standard-Tools wie dem Bildnachzeichner in Illustrator, Inkscape oder einem Online-Konverter in eine SVG- oder PDF-Vektorgrafik umwandeln. Das funktioniert bei sauberen Strichbildern in wenigen Sekunden.

Fazit: Bild-KI beim Bauen im Bestand

Der hier vorgestellte beispielhafte Workflow ersetzt keine Bauaufnahme und keine Werkplanung. Aber er verkürzt den Weg zwischen erster Idee und gemeinsamem Bild – und genau dort schafft er einen echten Mehrwert.

Die fachliche Kontrolle bleibt unverzichtbar: Ohne Architekturwissen erkennt das Modell weder einen unsauberen Sockelanschluss noch einen Schornstein, der bei einer Wärmepumpen-Sanierung eigentlich entfallen kann. Genau dort fängt die Arbeit der Architekt:innen an.

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