OpenAI hat Mitte April 2026 mit GPT Image 2 den Nachfolger seines Bildmodells vorgestellt. In ChatGPT ersetzt es schrittweise GPT Image 1.5.
Für Planungsbüros lohnt der genauere Blick: Das Modell ist eine ausgereifte Weiterentwicklung. Sie bringt einige Stärken mit, die im Büroalltag sehr nützlich sein können.

Materialien und Oberflächen sehen in GPT Image 2-Bildern glaubwürdig aus (Abbildung: Internet für Architekten)
Was GPT Image 2 ist – und was es nicht ist
Die Kernaussage vorweg: GPT Image 2 ist ein Bildgenerierungs- und Bildbearbeitungsmodell. Es nimmt Texte und Bilder als Eingabe entgegen und liefert Bilder als Ausgabe.
Das klingt banal, ist es aber nicht. In den vergangenen Monaten ist ja hier und da Eindruck entstanden, KI-Tools würden sich langsam in Richtung CAD- und BIM-Welt bewegen. Das gilt für GPT Image 2 ausdrücklich nicht. Das Modell kennt keine Raumbücher, keine IFC-Struktur und keine Bauteilhierarchien. Es erzeugt Pixelbilder – sehr gute, aber eben Pixelbilder.
Wer das einmal verinnerlicht hat, entscheidet in der Praxis deutlich schneller, für welche Aufgaben sich so ein KI-Bildgenerator eignet und für welche nicht.
Wo Bilder kommuniziert, verglichen oder variiert werden, kann GPT Image 2 Zeit sparen. Überall dort, wo technische Verbindlichkeit entscheidet, bleibt CAD und BIM das richtige Werkzeug.
Die drei spürbaren Neuerungen
Gegenüber dem Vorgänger fallen diese drei Verbesserungen besonders auf:
1. Darstellung von Material und Oberflächen
Erstens die „stabilere“ Materialwirkung: Holzoberflächen, Textilien, Putze oder Beton sehen in den Ergebnissen glaubwürdiger aus, und – wichtiger für den Arbeitsalltag – sie bleiben über mehrere Durchläufe hinweg deutlich konsistenter.
2. Bestehende Bilder (auch partiell) bearbeiten
Zweitens die gezielte Bildbearbeitung. GPT Image 2 erlaubt es, bestehende Bilder gezielt in Teilen zu verändern, ohne das Gesamtbild jedes Mal neu zu interpretieren.
So blieb in meinen Tests z. B. die Kubatur eines Gebäudes stabil, während ich Fassadenmaterial, Begrünung oder Lichtstimmung fast beliebig variieren konnte. Oder: Eine Raumperspektive bleibt bestehen, während Möblierung und Farbkonzept durchgetauscht werden.
3. Text im Bild (auch auf Deutsch!)
Drittens die zuverlässigere Textdarstellung im Bild. Beschriftungen auf Schildern, Schriftzüge in Fassadenelementen oder erläuternde Worte in Diagrammen wurden früher oft zu einem Buchstabensalat.
Mit GPT Image 2 klappt das zwar auch nicht immer perfekt, aber wesentlich besser – inzwischen eben auch zunehmend bei Beschriftungen auf Deutsch.
Praxisbeispiele: Vom Moodboard bis zur Lichtstimmung
Wie man diese Stärken im Büroalltag nutzen kann, zeigen die folgenden Beispielbilder, die ich für diesen Beitrag mit GPT Image 2 erzeugt habe.
Vom Raum zum Moodboard. Als Ausgangspunkt diente ein Foto eines Hotelzimmers. GPT Image 2 soll daraus ein Moodboard erzeugen, das die prägenden gestalterischen Elemente zusammenträgt. Das Ergebnis ist eine sauber komponierte Kachelfläche mit Materialien, Leuchten, Möbelstücken, einer Detailaufnahme des Türbeschlags und einer fünfteiligen Farbpalette – alles abgeleitet aus dem einen Referenzbild (siehe Abbildung oben). Für das Büro kann das ein interessanter Zwischenschritt sein: Ein Referenzraum, der einem Bauherrn gefallen hat, lässt sich so in seine Bausteine zerlegen und wird damit als gestalterische Grundlage für das eigene Projekt diskutierbar.
Perspektivwechsel ohne neues Rendering. Dasselbe Hotelzimmer lässt sich in einem weiteren Schritt aus einer anderen Blickrichtung zeigen – etwa als Blick durch die geöffnete Zimmertür. Möblierung, Materialien und Lichtstimmung bleiben stabil; nur der Standpunkt ändert sich. Diese Art von Iteration war bisher aufwendig. Mit GPT Image 2 braucht es dafür – zumindest in einfachen Fällen – nur einen kurzen Prompt statt eines CAD-Modells.
Wechsel der Tageszeit (Lichtstimmung ändern). Das dritte Beispiel zeigt eine Wettbewerbsvisualisierung eines Holz-Hybrid-Bürogebäudes – einmal in der goldenen Stunde, einmal mittags bei klarem Himmel. Fassadengliederung, Kubatur und Vorplatz bleiben identisch; Licht, Schatten und Himmelsstimmung sind ausgetauscht. Für die Präsentation vor einer Jury oder im Stadtbauamt ein nützlicher Modus.
Die Beispiele sollen nicht den Eindruck erwecken, jedes Bild sei in Sekunden perfekt. Es braucht mehrere Iterationen, ein klares Briefing und ein geschultes Auge bei der Auswahl. Aber die Beschleunigung gegenüber klassischen Rendering-Workflows ist erheblich.
Wofür sich das KI-Bildmodell eignet
Zusammengefasst sind es vier Stärken, die GPT Image 2 für Planungsbüros interessant machen:
- Photorealismus und stabile Materialwirkung, die frühe Entwurfsstimmungen überzeugend transportieren
- Iteratives Bearbeiten bei gleichbleibender Kubatur – Material, Licht, Möblierung lassen sich austauschen, ohne den Gesamtentwurf jedes Mal neu zu definieren
- Stilsteuerung und Multi-Panel-Kompositionen, die für Moodboards, Serienbilder oder Wettbewerbstafeln nützlich sind
- Deutlich stabilere Textdarstellung im Bild als in früheren Modellversionen
Vom 3D-Export aus der BIM-Software zum Rendering sind es nur ein paar Halbsätze per Text-Prompt (Screenshot: Internet für Architekten)
Ein weiterer Test: Aus einer einfachen 3D-Darstellung erzeugt GPT Image 2 erst eine leere fotorealistische Großküche. Im zweiten Schritt wird sie dann mit Personal belebt („Add male and female chefs working in the buzzling kitchen, they work withs pots and pans. There is raw food and ready made plates.“). Das zweistufige Vorgehen führte hier zu einer präziseren Umsetzung.
Übrigens: Prompts auf Deutsch sind kein Problem, mit Englisch scheint es aber noch etwas besser zu funktionieren.
Wo die Grenzen liegen
Bei aller bildlichen Perfektion gibt es auch Grenzen. GPT Image 2 eignet sich nicht für Genehmigungs- oder Ausführungspläne. Maßhaltigkeit, gestrichelte Linien, exakte Beschriftungen und präzise Layouts bleiben fehleranfällig.
BIM-Semantik gibt es keine: RVT, DWG und IFC sind keine nativen Eingabeformate, alles muss als Rasterbild exportiert werden.
Und was wie eine Tageslichtstudie aussieht, ist keine – physikalische Lichtberechnung leistet das Modell nicht. Wer verbindliche Aussagen zur Verschattung oder zum Tageslichtquotienten braucht, ist weiterhin in spezialisierter Software gut aufgehoben.
Es lohnt sich, diese Grenzen klar zu kommunizieren – gegenüber Bauherren, aber auch intern im Büro. Ein mit GPT Image 2 erzeugtes Bild sieht schnell sehr überzeugend aus. Genau das ist Stärke und Risiko zugleich. Die fachliche Prüfung – Plausibilität, Maßhaltigkeit, baurechtliche Relevanz – bleibt damit wie bisher beim planenden Büro.
Der KI-Chatbot als Assistent für die visuelle Architekturkommunikation
Die Rolle von GPT Image 2 lässt sich damit recht gut umreißen: In der technischen Planung hat das Modell nichts zu suchen. In der visuellen Kommunikation hingegen ist es ein ernstzunehmender Assistent, der Aufgaben übernimmt, für die bisher viel Rendering-Zeit, Bildbearbeitung oder externe Dienstleistung nötig waren.
Moodboard-basierte Raumstimmungen, Perspektivwechsel ohne neues 3D-Modell, atmosphärische Variationen von Wettbewerbsbildern – all das rückt vom Sonderaufwand in den normalen Büroalltag. Die Bilder ersetzen die Planung nicht. Sie verkürzen den Weg von der Idee zu einer Darstellung, die sich zeigen lässt.

Auch Infografiken kann das neue OpenAI-Bildmodell sehr gut herstellen. Die vorgegebene Farbpalette wurde berücksichtigt, die exakte Übernahme der von mir gewünschten Schriftarten hat bei mir allerdings noch nicht so gut funktioniert (Abbildung: Internet für Architekten)
Wer das Modell erstmals ausprobieren möchte, findet es direkt in ChatGPT: Man kann es entweder per Klick zuschalten oder im Prompt ein entsprechendes Auslöserwort („Erstelle eine Grafik mit …“ oder ähnliches); eine separate Anmeldung bei der API ist für den Einstieg nicht nötig.
Ein paar gezielte Tests mit eigenen Moodboards oder Entwurfsfotos reichen aus, um eine fundierte Einschätzung zu bekommen, an welcher Stelle im Büro-Workflow GPT Image 2 den größten Nutzen bringt.
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