Modulbau-Simulator im Browser: Claudes neues LLM „Fable 5“ im Vibe-Coding-Test

Ich wollte das neue Sprachmodell Claude Fable 5 einmal mit einer Aufgabe aus dem Planungskontext konfrontieren – und war ziemlich überrascht, was dabei herauskam.

Die Idee: ein interaktiver Modulbau-Simulator für den Vorentwurf von Studierendenwohnheimen oder Budget-Hotels, gedacht für Raummodule in Holz- beziehungsweise Holz-Hybrid-Bauweise.

Vorweg zur Einordnung: Es handelt sich um einen schnellen Selbstversuch, nicht um ein ausgereiftes oder fachlich abgenommenes Planungswerkzeug. Ziel war nicht das fertige Tool, sondern die Frage, wie weit ein leistungsfähiges KI-Sprachmodell eine konkrete Programmieraufgabe in funktionierende Software übersetzt.

Eine Planungsaufgabe als Testfall: Modulbau-Simulator aus dem Browser als Praxistest für Claude Fable 5 (Screenshot: Eric Sturm)

Eine Planungsaufgabe als Testfall: Modulbau-Simulator aus dem Browser als Praxistest für Claude Fable 5 (Screenshot: Eric Sturm)

Umgesetzt hat das Modell die Idee in bemerkenswerter Qualität, unter anderem mit der 3D-Bibliothek Three.js – inklusive der Fähigkeit, eigene Fehler auf Hinweis zu finden und zu korrigieren.

Das Tool läuft komplett lokal im Browser, als einzelne HTML-Datei per Doppelklick, ohne Server und ohne Cloud-Verbindung. Wer sich für den Einsatz von KI im Architekturbüro interessiert, findet hier ein ungewöhnlich konkretes Beispiel.

Was der Simulator kann

In der Mitte der Oberfläche liegt der 2D-Grundriss-Editor mit einem Rastersnapping von 12,5 Zentimetern und Nachbar-Einrasten nach dem Bauklotz-Prinzip: Die Module docken automatisch aneinander.

Daneben zeigt ein 3D-Viewer dieselbe Konfiguration synchron zum Grundriss, drehbar und zoombar, mit echter Fassadengeometrie – die Fenster sitzen als Laibungen in der Wand und nicht als aufgeklebte Flächen.

Oben – über dem 2D-Grundriss – stehen die Elementtypen als Bausteine zur Auswahl: Wohnmodul, Flur, verbundener Erschließungskern mit Treppe und Aufzug sowie Serviceraum.

Ein Beispielgrundriss-Generator in der linken Seitenleiste erzeugt wahlweise einen Zweibund oder Einbund mit Erschließungskernen, die die Modulreihe unterbrechen. (Die Zahl der Kerne richtet sich dabei nach der Stichflur-Regel: Bei langen Riegeln setzt der Generator automatisch zwei Kerne.)

Eine Transport-Ampel in der Seitenleiste zeigt dynamisch an, ob ein Modulmaß genehmigungsfrei transportiert werden kann, eine Dauergenehmigung benötigt oder als Sondertransport gilt. Etwas weiter unten lassen sich verschiedene Fensterformate auswählen – ein kleines Design-Gimmick, das ich mir nicht verkneifen konnte.

Demo: So funktioniert der Modulbau-Simulator

In der Fußzeile erscheinen die Kennwerte live: Wohnfläche, Durchschnitt je Einheit, Verkehrsfläche, der VF-Anteil mit der 25-Prozent-Marke aus der Förderrichtlinie, Footprint und Gebäudehöhe. Flächen- und Maßänderungen in der Seitenleiste schlagen unmittelbar auf die 2D- und die 3D-Darstellung durch.

Woher die Zahlen stammen

Die Datenbasis stammt aus einer vorab mit Claude durchgeführten Recherche:

Transportgrenzen nach StVZO, typische Holzmodul-Abmessungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, Förderkennwerte für den Studierendenwohnbau, MHolzBauRL 2024, Schallschutz sowie Anforderungen aus der MBeVO.

Ein Teil davon steckt als feste Grenzwerte direkt im Tool – Transportmaße, Mindestflächen, Erschließungslogik –, es handelt sich also nicht um erfundene Zahlen. Für den praktischen Einsatz müssten diese Werte selbstverständlich mit Fachkenntnis geprüft werden.

Aufwand und Einordnung

Mein Anteil an diesem Test bestand aus Idee, Recherche, inhaltlicher Steuerung, Korrekturen, Designentscheidungen und dem Testen. Bislang waren es sechs Iterationen bei einem Gesamtaufwand von rund zwei Stunden.

Den Code schreibt das Modell mit faszinierender Präzision – wobei ich die Datei selbst noch nicht im Editor geöffnet habe; das Tool tut aber, was es soll.

Unabhängig davon, wie sinnvoll diese schnell entstandene Test-Idee in der Praxis tatsächlich ist, zeigt der Versuch eines deutlich: Architektur- und Ingenieurbüros können sich nach diesem Muster eigene, komplexe Werkzeuge bauen, um einzelne Planungsschritte mit individueller Software zu unterstützen. Diese Entwicklung ist Teil eines größeren Trends zur Digitalisierung im Planungsbüro, der zunehmend auch individuell zugeschnittene Software erreicht.

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