Mit Euria bringt der Cloud-Anbieter Infomaniak einen datenschutzfreundlichen KI-Chatbot aus der Schweiz auf den Markt.
Dem Unternehmen zufolge wird Euria ausschliesslich in der Schweiz betrieben und nutzt Eingaben der Nutzer:innen nicht für das Training von KI-Modellen.

Euria: KI-Chatbot mit Fokus auf Datenschutz und Nachhaltigkeit aus der Schweiz (Screenshots / Collage: Internet für Architekten)
„Die Euria-Modelle werden vollständig in unseren Data Centern gehostet. Wir haben sie so konzipiert, dass sie ein Leistungsniveau bieten, das den besten KI-Systemen auf dem Markt sehr nahekommt, und gleichzeitig den Energiebedarf für ihren Betrieb reduziert.“
Marc Oehler, CEO von Infomaniak
Unsere erste Einschätzung: Das KI-Tool ist eine interessante Alternative für alle, die bei digitalen Werkzeugen hohe Anforderungen an Datenschutz, Vertraulichkeit und Energieeffizienz stellen.
KI-Dienste zwischen Komfort und Kontrolle
KI-Chatbots gehören inzwischen zum digitalen Alltag. Gleichzeitig bleibt für viele Nutzerinnen und Nutzer unklar, wo Anbieter Daten verarbeiten, wie sie Inhalte verwenden und welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten.
Organisationen mit sensiblen Informationen suchen daher verstärkt nach Alternativen zu globalen Plattformen mit schwer nachvollziehbaren technischen und rechtlichen Strukturen. Vor diesem Hintergrund positioniert Infomaniak Euria als eigenständigen KI-Assistenten.
Was ist Euria?
Euria richtet sich sowohl an private Nutzerinnen und Nutzer als auch an den beruflichen Einsatz.
Der Dienst ist über eine Weboberfläche sowie über Apps für Android und iOS zugänglich. Die Bedienung orientiert sich an gängigen Chatbot-Oberflächen.
Infomaniak beschreibt Euria als universellen KI-Assistenten. Er kann Texte erzeugen, Dokumente analysieren und verschiedene Medienformate verarbeiten (siehe Funktionsliste weiter unten).
Nachhaltigkeit: Rechenzentren als Teil der Energieinfrastruktur
Laut Infomaniak deckt das Unternehmen den Stromverbrauch der Euria-Rechenzentren vollständig mit erneuerbarer Energie. Die entstehende Abwärme wird in das Genfer Fernwärmenetz eingespeist.
Das Unternehmen gibt an, dass ein Rechenzentrum bei Volllast im Winter so mehrere tausend Wohnungen beheizen kann.
Angesichts der lauten (und oft berechtigten) Kritik an Rechenzentren ist diese Form der Abwärmenutzung ein schöner Beitrag für eine effizientere Energieinfrastruktur.
Datenschutz und Vertraulichkeit: was Infomaniak zusichert
Laut Anbieter verschlüsselt der Dienst Unterhaltungen bei der Übertragung und Speicherung.
Zusätzlich bietet Euria einen sogenannten flüchtigen Modus an: Euria soll in diesem Modus keine Unterhaltungen speichern und keine Daten auf dem Server hinterlassen.
Infomaniak beschreibt Euria als DSGVO-konform sowie als konform mit dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG). Der Dienst richtet sich laut Unternehmen daher auch an Einsatzbereiche mit erhöhten Anforderungen an Vertraulichkeit und Datensicherheit, etwa in Verwaltung, Bildung, Gesundheitswesen oder beratenden Berufen.
Technische Basis, eingesetzte KI-Modelle und erste Tests
Technisch stützt sich Euria nach Angaben von Infomaniak auf mehrere Open-Source-KI-Modelle, die je nach Anfrage zum Einsatz kommen. Das Unternehmen betreibt diese Modelle vollständig in den eigenen Rechenzentren.
Infomaniak betont, dass das Unternehmen bei Auswahl und Konfiguration der Modelle auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistungsfähigkeit und Energiebedarf achtet. Ziel sei es, ein Leistungsniveau zu erreichen, das mit etablierten KI-Systemen vergleichbar ist.

Kurzer Test des KI-Chatbots Euria: Auslesen eines PDF-Dokuments (Screenshot: Internet für Architekten)
Bei meinen ersten, schnellen Tests lieferte der Chatbot gute Ergebnisse.
Das Schreiben von Texten im Allgemeinen, sowie das Umformulieren, Beschreiben oder Kürzen funktioniert hervorragend.
Auch die Analyse von Dokumenten macht einen guten Eindruck: Eine hochgeladene PDF-Rechnung wurde schnell und korrekt analyisiert (siehe Screenshot oben).
Bei der Bildbeschreibung war das Ergebnis in meinem Test nicht überzeugend. Der Chatbot soll hier ein Gebäudefoto „im Stil einer Architekturfachzeitschrift“ beschreiben. (Teilnehmer:innen meiner KI-Seminare kennen dieses Beispiel 😉.)
Hier liefern große, proprietäre Modelle wie die in ChatGPT laufenden GPT-Modelle aktuell deutlich bessere Resultate, wie der Vergleich unten zeigt.

Test der Bild-Analyse-Fähigkeiten von Euria: Ordentlich, aber mit Luft nach oben … (Screenshot / Collage: Internet für Architekten)

Bild-Analyse (Vision-Funktion) mit ChatGPT im Vergleich: Hier ist die Baubeschreibung deutlich fundierter (Screenshot / Collage: Internet für Architekten)
Funktionsumfang im Überblick
Nach Anbieterangaben umfasst der Funktionsumfang von Euria:
- Text- und Spracheingabe
- Recherche, Analyse und Vergleich von Web-Inhalten
- Analyse und Zusammenfassung von PDF-, Word- und Excel-Dokumenten
- Transkription von Audiodateien
- Interpretation von Screenshots und Fotos
- Projektbasierte Organisation von Dialogen
- Markieren und Teilen von Unterhaltungen
- Geräteübergreifende Nutzung
- Flüchtiger Chat ohne Speicherung
Euria prüft automatisch, ob eine Anfrage eine Online-Recherche erfordert. Ist dies nicht der Fall, greift das System auf internes Wissen aus seinen Trainingsdaten zurück, um den Energieverbrauch zu senken.
Nutzung, Zugang und Preismodelle
Eine kostenlose Nutzung von Euria ist ohne Konto möglich, sowohl über die Website als auch über die mobile App.
Für eine erweiterte persönliche Nutzung bietet Infomaniak ein kostenloses my-kSuite-Konto an, das unter anderem eine E-Mail-Adresse und Cloud-Speicher umfasst.
Darüber hinaus ist Euria Bestandteil kostenpflichtiger Cloud- und Kollaborations-Pakete wie kSuite+ und kSuite Pro. Diese richten sich an Einzelpersonen und Organisationen bzw. Unternehmen. Die Preise beginnen nach Anbieterangaben bei rund 20 Euro pro Nutzer und Jahr.
Euria im Infomaniak-Ökosystem
Euria ist Teil der Cloud- und Hosting-Produktangebots von Infomaniak. Dazu zählen unter anderem E-Mail-Dienste, Cloud-Speicher, Kollaborations-Tools und Videokonferenz-Lösungen.
Infomaniak plant, Euria schrittweise stärker in diese Dienste zu integrieren. Ziel sei es, KI-gestützte Funktionen direkt in bestehende Arbeitsabläufe einzubinden.
Roadmap und strategische Einordnung
Der Anbieter will Euria kontinuierlich weiterentwickeln. Geplant seien unter anderem intelligente Agenten, die dauerhaft definierte Aufgaben übernehmen, sowie Funktionen zur Bildgenerierung und zur stärkeren Automatisierung von Arbeitsprozessen.
Gleichzeitig verknüpft das Unternehmen die Entwicklung von Euria mit einer strategischen Positionierung. Europa solle stärker in eigene KI-Infrastrukturen investieren, um technologische Abhängigkeiten zu reduzieren. Euria versteht Infomaniak in diesem Zusammenhang als einen wichtigen Baustein.
Euria und Lumo im Vergleich: zwei KI-Assistenten aus der Schweiz
Mit Euria von Infomaniak und Lumo von Proton sind zwei KI-Chatbots verfügbar, die sich als datenschutzorientierte Alternativen zu internationalen KI-Plattformen positionieren. Beide Anbieter betonen eine Verarbeitung innerhalb der Schweiz und den Verzicht auf das Training mit Nutzerdaten.
- Anbieter: Euria stammt vom Cloud-Anbieter Infomaniak, Lumo von der Proton AG, bekannt durch Dienste wie Proton Mail und Proton VPN.
- Datenverarbeitung: Infomaniak gibt an, dass Euria ausschliesslich in eigenen Rechenzentren betrieben wird und einen flüchtigen Modus ohne Speicherung bietet. Proton beschreibt Lumo als KI-Assistenten mit Zero-Access-Verschlüsselung, bei dem auch der Anbieter keinen Zugriff auf gespeicherte Chats haben soll.
- Technische Basis: Beide Dienste setzen laut Anbieter auf Open-Source-KI-Modelle und betreiben diese ohne eigene Modelltrainings.
- Funktionaler Fokus: Euria legt den Schwerpunkt auf einen breiten Funktionsumfang und die Integration in eine Cloud- und Kollaborationsplattform. Lumo fokussiert stärker auf Vertraulichkeit und Zugriffsschutz.
- Einordnung: Unabhängige Leistungsvergleiche sind bislang rar. Erste Berichte heben den Datenschutzansatz hervor, verweisen aber auch auf funktionale und leistungsbezogene Grenzen im Vergleich zu etablierten KI-Diensten.
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