BIM und CDE: Krisenfeste Bauplanung mit digitalen Tools

Ein Gastbeitrag von Patrik Heider, Thinkproject

Bauunternehmen und Planer sind mit immer komplexeren Projektabläufen, hohem Kostendruck und wachsenden regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Dazu kommen häufig unvorhergesehene Ereignisse wie Krankheitsfälle oder Bauunterbrechungen, die es zu meistern gilt. Digitale Tools helfen, die Zusammenarbeit zu optimieren, Kosten zu kontrollieren und Projekte auch unter schwierigen Bedingungen effizient ins Ziel zu führen.

Die Bauindustrie boomt. Mehr als 300 Milliarden Euro sollen bis im Jahr 2030 allein im öffentlichen Bereich in Infrastrukturprojekte investiert werden, so eine Studie des Beratungsunternehmens PWC. Nur die Hälfte der befragten Bauunternehmer und Planer sieht sich dafür aber bisher gut aufgestellt. Die AECO-Branche steht vor großen Herausforderungen.

Je mehr Stakeholder zusammenarbeiten und je komplexer die Projekte, desto aufwändiger wird die Abstimmung und desto größer das Risiko für Kommunikationsprobleme und Fehler. (Foto: Thinkproject)

Je mehr Stakeholder zusammenarbeiten und je komplexer die Projekte, desto aufwändiger wird die Abstimmung und desto größer das Risiko für Kommunikationsprobleme und Fehler. (Foto: Thinkproject)

Bei den meisten Projekten ist heute eine Vielzahl an Partnern beteiligt, die es zu koordinieren gilt und die Informationen untereinander austauschen müssen. Je mehr Stakeholder zusammenarbeiten und je komplexer die Projekte, desto aufwändiger wird die Abstimmung und desto größer das Risiko für Kommunikationsprobleme und Fehler.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich etwa 90 Prozent der Bauprojekte verzögern und 40 Prozent die geplanten Budgets überziehen. Steigende regulatorische Standards in Bezug auf Prozess-Transparenz und Dokumentation stellen eine zusätzliche Belastung dar. Hinzu kommt, dass unvorhergesehene Ereignisse die Planung aus der Bahn werfen können.

Durch die Corona-Pandemie haben AECO-Unternehmen zum Beispiel nicht nur mit krankheitsbedingten Ausfällen und Verzögerungen in der Lieferkette zu kämpfen. Vor allem Planern machten auch die Reisebeschränkungen zu schaffen.

Laut der PWC-Studie ist sich die weit überwiegende Mehrheit der Planer mit den meisten Bauunternehmen darüber einig, dass die Digitalisierung bei der Bewältigung der Pandemie eine große Hilfe darstellt. Außerdem bieten digitale Tools viele Chancen, die anstehenden Infrastrukturprojekte rascher und mit weniger Kostenrisiko zu meistern.

Wie eine gemeinsame Datenplattform Prozesse optimiert

Je früher und intensiver alle Beteiligten bei einem Bauvorhaben miteinander sprechen und je besser die Datengrundlage für diesen Austausch ist, umso reibungsloser, schneller und günstiger lassen sich Projekte abwickeln.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei eine gemeinsame Datenplattform (Common Data Environment, CDE). Hier fließen sämtliche mit dem Projekt verbundene Daten und Informationen zusammen, wie etwa Angaben zum digitalen Modell inklusive Geometrie, Materialien und Abmessungen, die eingesetzten Verfahren und Technologien, Zuständigkeiten, Termine, Kosten und Zeitplanung.

Die Plattform dient als Single Source of Truth. So ist sichergestellt, dass alle jederzeit denselben Informationsstand und die aktuellsten Daten haben. Was hier steht, gilt verbindlich. Ein Rechtemanagement regelt, wer auf welche Daten zugreifen kann. Da keine Dokumente mehr verschickt werden müssen, reduziert sich der Verwaltungsaufwand erheblich.

Die Anfangsinvestitionen in CDE und BIM amortisieren sich schnell durch die Einsparungen, die Prozessoptimierung und digitale Kollaboration mit sich bringen. (Foto: Thinkproject)

Die Anfangsinvestitionen in CDE und BIM amortisieren sich schnell durch die Einsparungen, die Prozessoptimierung und digitale Kollaboration mit sich bringen. (Foto: Thinkproject)

Gleichzeitig optimiert ein CDE das Workflow-Management. Die Plattform ermöglicht, Arbeitsabläufe zu definieren, automatisiert Aufgaben zuzuweisen und den Fortschritt nachzuverfolgen. Das vereinfacht die Kommunikation, sorgt dafür, dass nichts unter den Tisch fällt und beschleunigt Prozesse. Damit alle autorisierten Partner jederzeit und an jedem Ort – auch auf der Baustelle – auf das CDE zugreifen können, sollte es Cloud-basiert und für die mobile Nutzung optimiert sein.

Mit BIM sicherer kommunizieren und agiler reagieren

Ein leistungsstarkes CDE bildet wiederum die Voraussetzung, um das Potenzial von Building Information Modelling voll auszuschöpfen. BIM bündelt und visualisiert alle Daten rund um die räumlichen, funktionalen und technischen Eigenschaften eines Bauwerks in einer grafischen Ansicht. In einem 4D-Modell lassen sich zudem auch zeitliche oder vertragliche Informationen ergänzen. Anwender können über das grafische Modell zum Beispiel auf Termine für einzelne Bauelemente zugreifen, Ist- und Sollzustand abgleichen, Bauabläufe simulieren oder Verträge einsehen.

Dank der Visualisierung und der einheitlichen Datenbasis erleichtert es BIM den Projektbeteiligten, Ideen zu diskutieren und sich abzustimmen. So können sie Entscheidungen oft schon in einer frühen Phase treffen, koordinierter vorgehen und Aufwände besser planen. Das hilft dabei, spätere Kriseninterventionen zu vermeiden und Kosten zu reduzieren.

CDE und BIM unterstützen zudem ein agiles Projektmanagement. Da in das Modell jederzeit aktuelle Daten einfließen, werden sich abzeichnende Probleme frühzeitig sichtbar. Dadurch sind Bauunternehmen in der Lage, schneller auf unvorhergesehene Ereignisse wie Personalausfall oder Lieferverzögerungen zu reagieren. Über die digitale Plattform können Mitarbeiter zudem ortsunabhängig zusammenarbeiten, auch wenn sie sich im Homeoffice befinden.

Fazit: Herausforderungen mit CDE und BIM besser meistern

Seit 2020 müssen alle Infrastrukturprojekte des Bundes und alle Hochbauprojekte, die damit in Verbindung stehen, mit BIM geplant werden. Doch auf für alle anderen Bauprojekte – große wie kleine – lohnt sich der Einsatz einer Cloud-basierten Datenplattform mit Building Information Modelling. Anfangsinvestitionen amortisieren sich schnell durch die Einsparungen, die die Prozessoptimierung und digitale Kollaboration mit sich bringen.

Laut der PWC-Studie erhoffen sich 80 Prozent der Befragten eine bessere Zusammenarbeit und Kommunikation durch die Digitalisierung. 62 Prozent erwarten kürzere Planungs- und Bauzeiten durch effizientere Arbeitsabläufe und knapp jeder Zweite rechnet mit einer Reduktion der Kosten. Wer jetzt auf CDE und BIM setzt, kann aktuelle und künftige Herausforderungen besser meistern.

Über den Autor

Patrik Heider, CEO von Thinkproject (Foto: Thinkproject)

Patrik Heider, CEO von Thinkproject (Foto: Thinkproject)

Patrik Heider ist seit April 2021 CEO von Thinkproject, dem führenden europäischen SaaS-Anbieter von Construction Intelligence-Lösungen für Bau- und Ingenieurprojekte mit mehr als 2.500 Kunden und rund 450 Mitarbeiter*innen.

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