Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat Anfang November die Ergebnisse ihrer bundesweiten Architektenbefragung 2025 vorgelegt. Mehr als 15.000 Kammermitglieder beteiligten sich an der Online-Erhebung, die zentrale Fragen der Berufspraxis, Digitalisierung und Rahmenbedingungen des Planens untersucht.
Die Daten geben Einblick in veränderte Arbeitsrealitäten, strukturelle Herausforderungen und die zunehmende Relevanz digitaler Werkzeuge.
Wir werfen in diesem ersten Teil unseres Beitrags einen Blick auf die Ergebnisse allgemein, im zweiten Teil gehen wir speziell auf die Aussagen der Studie zum Thema "Künstliche Intelligenz im Planungsbüro" ein.
Alle Ergebnisse der Studie bzw. ihrer Einzelteile können Sie auf der Website der BAK einsehen oder herunterladen.

Die BAK-Architektenbefragung 2025 bietet Einblicke in Berufspraxis, Digitalisierung und die Herausforderungen im Planungsalltag (Symbolbild; Collage: Internet für Architekten)
Berufseinstieg: Gute Grundlagen, deutliche Lücken im Studium
Juniormitglieder können in den frühen Leistungsphasen zuverlässig praktische Erfahrung sammeln. In den späteren Phasen – z. B. Vergabe und Objektüberwachung – berichten jedoch viele über Hürden.
Die Einschätzung des Architekturstudiums fällt kritisch aus: Die gestaltende Planung gilt als solide vermittelt, während Baurecht, Vergaberecht, wirtschaftliche Planung und Bauleitung klare Defizite zeigen. Der Median des Einstiegsgehalts liegt bei rund 39.000 Euro.
Arbeitszeitmodelle: Teilzeit bleibt vor allem weiblich
Rund ein Viertel der Befragten arbeitet in Teilzeit. Frauen entscheiden sich deutlich häufiger für reduzierte Arbeitszeiten als Männer – unabhängig von Alter, Bürogröße oder familiären Bedingungen.
Kinderbetreuung und mehr Zeit für Familie sind die meistgenannten Gründe für die Arbeit in Teilzeit. Nur eine Minderheit plant, später wieder aufzustocken.
Gründungsklima: Unabhängigkeit lockt, Risiken bremsen
27 Prozent der angestellten und beamteten Kammermitglieder schließen eine Selbstständigkeit nicht aus, sechs Prozent bereiten sie konkret vor. Die Motive für die Bürogründung sind konstant: mehr Selbstbestimmung, Flexibilität und bessere Verdienstchancen.
Hemmnisse bleiben finanzielle Unsicherheit, Haftungsrisiken, Akquiseprobleme und Befürchtungen einer schlechteren Work-Life-Balance. Eine Neugründung wird häufiger angestrebt als die Übernahme eines bestehenden Büros.
Bauantragswesen: Hohe Fehlerquoten und unterschiedliche Erwartungen
Die meisten Bauanträge stammen von Architektinnen und Architekten. Dennoch sind aus Sicht der Bauämter rund 60 Prozent fehlerhaft oder unvollständig. Häufig fehlen Brandschutznachweise, formale Angaben oder planungsrechtliche Nachweise. Viele Planende nehmen Anforderungen wahr, die über das gesetzliche Maß hinausgehen.
Die Digitalisierung des Bauantragswesens kommt voran, verläuft jedoch uneinheitlich. Planende wünschen sich vereinfachte und einheitliche Verfahren, während Bauämter eine höhere Sorgfalt und bessere Qualifikation der Antragstellenden fordern.
DIN-Normen: Zwischen Sicherheit und Einschränkung
Normen prägen den beruflichen Alltag der Mehrheit der Befragten. Sie schaffen Planungssicherheit, gelten aber zugleich als umfangreich und teilweise einschränkend.
Mehr als 70 Prozent sehen einen Zusammenhang zwischen Normenumfang und steigenden Baukosten. Beim Gebäudetyp E ergibt sich kein eindeutiges Bild, größere Büros bewerten ihn häufiger positiv.
Nachhaltigkeit: Gespaltene Bewertung des BRNH
Nur etwa die Hälfte der Befragten fühlt sich gut genug informiert, um Nachhaltigkeitssysteme oder das neue Bundesregister Nachhaltigkeit (BRNH) zu bewerten. Bestehende Systeme erscheinen vielen komplex und heterogen.
Das BRNH wird teils als Chance für mehr Orientierung, teils als zusätzliche Komplexität gesehen. Vor allem größere Büros halten die Anerkennung eines BRNH-Eintrags für zukünftige Bundesförderungen für wichtig.
CAD-/BIM-Software: Kosten steigen, Cloud-Angebote setzen sich durch
Büros nutzen unterschiedliche Lizenzmodelle: Kauf, Miete und Mischformen. Große Büros setzen häufiger auf Abonnements.
Die Pro-Kopf-Ausgaben für CAD-/BIM-Software sind seit 2022 inflationsbereinigt gestiegen. Cloud-Funktionen sind weit verbreitet, oft jedoch kostenpflichtige Zusatzleistungen.
KI-Nutzung: Einsatz wächst, Orientierung wird wichtiger
29 Prozent der Kammermitglieder nutzen KI-Werkzeuge im Büroalltag. In großen Büros ist der Anteil deutlich höher.
Drei Nutzertypen lassen sich unterscheiden: Einstieg in die KI, Nutzung im Planungsprozess (z. B. Visualisierung, Simulation, 3D-Modellierung) und Einsatz zur Prozessoptimierung (z. B. Texterstellung, Dokumentation, Analyse).
Zentrale Hoffnungen liegen auf Effizienzsteigerung und besseren Entscheidungsgrundlagen. Risiken betreffen fehlende Datensicherheit, mögliche Standardisierung von Entwürfen und eine wachsende Abhängigkeit von Softwareherstellern.
Der Fortbildungsbedarf ist groß – besonders zu KI im Planen und Bauen, Automatisierung und der Verknüpfung von KI und BIM.

Bezüglich der Nutzung von KI im Planungsbüro besteht ein hoher Fortbildungsbedarf (Symbolbild; Collage: Internet für Architekten)
Download: Ergebnisse der BAK-Architektenbefragung 2025
Alle Ergebnisse der Studie bzw. ihrer Einzelteile können Sie auf der Website der BAK einsehen oder herunterladen.
Wir werfen in diesem ersten Teil unseres Beitrags einen Blick auf die Ergebnisse allgemein, im zweiten Teil gehen wir speziell auf die Aussagen der Studie zum Thema "Künstliche Intelligenz im Planungsbüro" ein.
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