Der Zugang zur Architektur (Teil 2/3): Wie Sie als Architekt sichtbarer werden und sich besser vermarkten

Ein Gastbeitrag von Philip Kistner

Onlinemarketing, Offlinemarketing, Face-to-Face-Marketing – der Dschungel aus Vermarktungsmaßnahmen ist mittlerweile schier unüberschaubar. Um einen Überblick zu bekommen, was für Sie als Architekt wirklich sinnvoll ist, habe ich diesen Artikel verfasst.

Erfahren Sie im zweiten Teil dieser Serie, wie Sie als Architekt sichtbarer werden. Nutzen Sie meine Ratschläge und einzigartige Architekturfotografie, um sich, Ihr Büro und Ihre Werke besser zu vermarkten. Legen wir los!

Sichtbarer durch Online-Kanäle

1. Die eigene Website

Zentrale Anlaufstelle sollte nach wie vor die eigene Website sein – das gilt übrigens nicht nur für Architekten. Ihre Website ist nicht nur der wichtigste Kontaktpunkt mit Interessenten, sondern häufig auch der erste. Besonderes Augenmerk sollten Sie dabei auf die Startseite legen: Hier gilt es, Ihr architektonisches Werk in Form der repräsentativsten Bilder zu zeigen und einen Überblick über Ihre Leistungen zu vermitteln.

Meine Praxistipps für Ihre Website:

  • Setzen Sie sich die Brille Ihrer Zielgruppe auf.
  • Arbeiten Sie mit Texten, um Ihre Website für Kunden sowie Suchmaschinen “lesbar” zu machen.
  • Verfassen Sie zu Bildern eine kurze, knackige Bildunterschrift und betten Sie die Bilder Ihrer besten Projekte immer in einen Kontext ein.
  • Verfassen Sie ein kurzes Profil, das Ihr Architekturbüro und Sie als Architekten beschreibt.
  • Achten Sie auf schnelle Ladezeiten und nutzen Sie weboptimierte Bilder mit einer Mindestbreite bzw. -höhe von 1500 Pixeln, die nicht größer als 300 Kilobyte sind.
Hochwertige Fotografie macht Ihre Architektur sichtbar (Foto: Philip Kistner, Düsseldorf)

Hochwertige Fotografie macht Ihre Architektur sichtbar und wertet Ihre Online-Kanäle auf (Foto: Philip Kistner, Düsseldorf)

2. Der eigene Blog

Auch wenn er meist Teil der eigenen Website ist: Auf einem eigenen Blog können Sie regelmäßig längere Artikel zu bestimmten aktuellen Themen veröffentlichen. Die häufigsten Themenkategorien sind etwa News zum Büro und Projekten oder Pressestimmen. Denken Sie daran, alle Artikel mit hochwertigem Bildmaterial Ihrer Architektur aufzulockern.

Meine Praxistipps für Ihren Blog:

  • Prüfen Sie mithilfe so genannter Keyword-Tools, ob Themen, über die Sie berichten möchten, auch tatsächlich gesucht werden, und welche Suchbegriffe (Keywords) dabei verwendet werden. Hier hilft Ihnen etwa der Keyword-Planer von Google.
  • Schauen Sie sich vor allem die Ergebnisse der Bildersuche an: Geben Sie hierzu einfach die besagten Keywords in die Suchmaske ein. Finden Sie auf diese Weise heraus, wer bereits über dieses Thema berichtet und welche Bilder dazu verwendet werden.
  • Nehmen wir etwa das Keyword “Einfamilienhaus bauen”: Dieses liefert 12,5 Mio. Ergebnisse, allen voran Musterhäuser. Kein Umfeld, in dem Sie mit Ihrer erstklassigen Architektur auftauchen möchten, oder?
  • Überlegen Sie sich also, was Sie anders machen möchten, um sich von den übrigen Angeboten zu unterscheiden – und damit interessanter für Suchende zu sein.
  • Verwenden Sie die entsprechenden Keywords in den Bildunterschriften und so genannten Alt- sowie Title-Tags Ihrer Bilder. Das sorgt dafür, dass Ihre Architekturfotografien auch in der Bildersuche auftauchen. Vor allem diesen Praxistipp wende ich selbst immer bei meiner Architekturfotografie an.
  • Verwenden Sie das wichtigste Keyword in der Überschrift Ihres Beitrags bzw. Ihrer Seite und lassen es in Ihre Einleitung einfließen. Bringen Sie es auch immer wieder im restlichen Text unter, aber übertreiben Sie es nicht. Nutzen Sie auch Synonyme für Ihr Keyword, um Ihren Text aufzulockern.
  • Verwenden Sie das wichtigste Keyword auch in der URL zu Ihrem Blogbeitrag. Sorgen Sie zudem dafür, dass diese URL aussagt, wovon der Beitrag handelt.

3. Eigene Profile in sozialen Medien und ihre größten Vorteile

Genau wie die eigene Website sind auch Profile in sozialen Medien eine Möglichkeit für Ihre Interessenten, mit Ihnen in Kontakt zu treten. Der wohl größte Vorteil: Die Einrichtung ist viel einfacher, als eine eigene Website oder einen Blog aufzusetzen.

Erfahren Sie hier in Kürze, welche soziale Medien wen erreichen:

  • Facebook eignet sich aufgrund der großen Reichweite besonders für private Bauherren
  • LinkedIn setzt seinen Fokus klar auf institutionelle Zielgruppen im internationalen Umfeld
  • XING erzielt eine gute Reichweite bei KMU aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Pinterest ist eine gute optionale Plattform zur Werkschau mit intuitiver visueller Suche

Meine Expertentipps für Ihre Profile in sozialen Medien:

  • Klären Sie mit Ihrem Fotografen, ob und inwiefern die beauftragten Architekturfotografien in sozialen Medien verwendet werden dürfen. Die Haltung der Kolleginnen und Kollegen ist nicht einheitlich und eine kurze Rückfrage sorgt für Klarheit. In meinem umfangreichen Ratgeber zum Thema Nutzungsrechte erfahren Sie alle für Sie relevanten Details.
  • Beachten Sie zudem, dass jedes soziale Medium eigene Anforderungen an Bilder und Videos hat, insbesondere an deren Breite und Höhe in Pixel. Zahlreiche Social Media Agenturen bieten hier gute Übersichten über alle aktuell wichtigen Formate – dieses Cheat Sheet finde ich am besten.

4. Eigener Newsletter

Newsletter haben sich als feste Größe etabliert, um Kontakte und Kunden zu pflegen. Überzeugen Sie Ihre Websitebesucher daher, sich in Ihren Newsletter einzutragen und verschicken Sie regelmäßig kurze Infos, was Sie an Neuigkeiten zu berichten haben.

Meine Praxistipps für Ihren Newsletter:

  • Bieten Sie Interessenten etwas Nützliches an, damit sie sich gern in Ihren Newsletter eintragen. Bewährt haben sich hier bspw. Checklisten und so genannte Whitepaper.
    Erstellen Sie für Ihre Abonnenten interessante und lesenswerte Inhalte.
  • Nutzen Sie Newslettersysteme wie etwa Mailchimp, um Anmelde- und Versandprozesse zu vereinfachen.
  • Reißen Sie Inhalte im Newsletter immer nur an und verlinken Sie sie auf einen Beitrag Ihrer Website.
  • Verwenden Sie qualitativ hochwertige und abwechslungsreiche Bilder. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass Ihr Newsletter gelesen und auf die Links geklickt wird.
  • Beschränken Sie sich auf maximal 4 verschiedene Themen oder Beiträge pro Newsletter.
  • Als Themen eignen sich für Architekten am besten aktuelle Projekte, Teilnahmen an Veranstaltungen und Awards sowie geplante Termine wie Vorträge.

5. Quick-Wins erzielen große Wirkung für Ihre Architektur

Mit diesen beiden Marketingmaßnahmen können Sie ohne großen Zeitaufwand viel Aufmerksamkeit und Auffindbarkeit für Ihr Architekturbüro generieren. Ganz nebenbei können Sie Interessenten zudem leicht mit Fotografien Ihrer Referenzbauwerke überzeugen:

Google My Business für eine höhere Relevanz beim Thema Architektur

Legen Sie ein Konto bei Google My Business an. Denn wenn Sie bei dem kostenlosen Dienst registriert sind, können Interessenten Sie einfacher in der Google Suche und bei Google Maps finden. Statten Sie das Profil zudem mit guten Bildern Ihrer Werke aus und laden Sie Ihre Kunden ein, Sie dort zu bewerten, erhalten Sie von Google eine höhere Relevanz für Architektur.

WhatsApp als Alternative für Telefon und E-Mail

Wenn Sie hauptsächlich private Bauherren erreichen möchten, bietet sich WhatsApp als praktische und schnelle Alternative zum Hörer oder der Email an. Achten Sie jedoch – wie bei allen anderen Kanälen auch – darauf, dass Sie ein repräsentatives Profilbild verwenden. Alternativ können Sie natürlich auch ein Foto Ihres besten architektonischen Werks hinterlegen.

6. Externe Branchenverzeichnisse und -portale

Verzeichnisse und Portale zu Architektur verfügen über eine enorme Reichweite und Relevanz bei Suchmaschinen wie Google. Meist können Sie als Architekt dort kostenlos oder zumindest kostengünstig ein Profil anlegen, das dann zusammen mit anderen Ergebnissen in der Suche auftaucht. Der einzige Haken: Es gibt tausende Plattformen und die Recherche kostet Sie viel Zeit. Die gute Nachricht: Diese Arbeit habe ich Ihnen schon abgenommen und etwa 650 relevante Magazine, Blogs und Plattformen für Sie recherchiert. Schauen Sie gerne im Verzeichnis für Architekturkommunikation vorbei, die Nutzung ist selbstverständlich kostenlos.

Meine Praxistipps für Profile in externen Verzeichnissen und Portalen:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Profil möglichst vollständig und aktuell ist.
  • Bebildern Sie Ihre Leistungen mithilfe von hochwertigem Bildmaterial.
  • Sprechen Sie die Anbieter des Verzeichnisses oder Portals an, und bitten Sie sie um eine Platzierung auf der Branchenübersichtsseite oder gar Startseite.
Das Verzeichnis für Architekturkommunikation auf philipkistner.com umfasst 650 Magazine Blogs und Plattformen (Foto: Philip Kistner)

Das Verzeichnis für Architekturkommunikation auf philipkistner.com umfasst 650 Magazine Blogs und Plattformen (Foto: Philip Kistner)

Sichtbarer durch Presse, Bücher und weitere Drucksachen (Printmedien)

Drucksachen sind nach wie vor ein bewährtes und gern überreichtes Medium für das persönliche Gespräch mit Ihren Interessenten.

1. Eigene Handouts und Sendouts

Besonders gut eignen sich hierzu Broschüren und gedruckte Case Studies, die Sie als Architekturbüro und gleichzeitig Ihre besten Werke vorstellen. Praktisch sind auch Visiten-, Gruß-, oder Postkarten, die mit verschiedenen Fotos Ihrer Werke bedruckt sind.

Mein Expertentipp für Ihre Drucksachen:

Achten Sie bei allen Printmedien darauf, dass sie einheitlich aussehen und Ihrer Corporate Identity, kurz CI, entsprechen. Geben Sie solche Aufgaben daher am besten in die Hände einer spezialisierten Agentur. Ich empfehle Ihnen gern Spezialisten, mit denen ich bereits erfolgreich zusammengearbeitet habe.

2. Aufwertung der eigenen Räumlichkeiten

Großflächige Prints in Ihren eigenen Räumlichkeiten werten Ihr Büro nicht nur auf – sie beeindrucken zudem Besucher und sorgen für Identifikation Ihrer Mitarbeiter. Sie werden in zahlreichen Qualitäten und Ausführungen angeboten. Die überzeugendsten Ergebnisse erzielen Sie bspw. mit Drucken auf Dibond oder Diasec oder Leuchtbildern.

Mein Expertentipp für Ihre Großformatprints:

Wenn Sie zwei Funktionen kombinieren möchten, bieten sich sogenannte Akustikbilder an. Diese zeigen nicht nur ein ansprechendes Bild Ihrer Wahl, sondern dämmen zudem noch den Schall. Äußerst praktisch für Ihren Besprechungsraum.

3. Eigene, zum Verkauf bestimmte Drucksachen

Besonders für größere Architekturbüros bietet sich an, Werkmonographien zu veröffentlichen. Hier sind bekannte Verlage Ihr erster Ansprechpartner, die solche Werke dem Fachpublikum zugänglich machen und meist kommerziell über den Handel vertreiben.

4. Berichterstattung durch unabhängige Redaktionen

Auch wenn Journalisten in unabhängigen Redaktionen nicht direkt beeinflussbar sind, freuen sie sich über Themenvorschläge, Presse- und auch Bildmaterial. Dies gilt insbesondere für Lokalredaktionen, wenn Sie als Architekturbüro ein lokal relevantes Werk erstellt haben.

5. Berichterstattung mittels Advertorials

Advertorials oder gesponserte Beiträge basieren auf denselben kommunikativen Grundsätzen wie diejenigen von unabhängigen Redaktionen. Sie werden jedoch meist gegen Bezahlung in bestimmten Ressorts einer Publikation veröffentlicht. Häufig werden Beiträge, die Sie zur Verfügung stellen, wörtlich übernommen und publiziert.

6. Berichterstattung im Rahmen von Awards, Veranstaltungen und Ausstellungen

Veranstaltungen werden weit vor dem eigentlichen Termin angekündigt, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen und möglichst viele Besucher anzuziehen. Dazu berichten die Veranstalter in den verschiedensten Kanälen. Als Architekt können Sie davon profitieren, wenn Ihre Werke für die Vorabankündigungen angefragt werden. Vor allem Architekturpreise (Awards), Ausstellungen und Messen sind für Sie interessant.

Veranstaltungen bieten einen idealen Rahmen, Werke vor einem meist fachkundigen und interessierten Publikum zu präsentieren und Ihre architektonischen Leitideen zu erläutern. Da die Präsentation meist auf großformatigen Leinwänden stattfindet, sollten Sie darauf achten, Bilder in entsprechend guter Qualität zu verwenden. Denken Sie auch daran, dass Veranstaltungen immer eine gute Möglichkeit sind, Ihre eigene Person und damit Ihr Renomée ins Rampenlicht zu stellen. Ich unterstütze Sie gern dabei, die passenden Architekturfotografien für Ihre Vorträge zu produzieren.

Diese 10 Ratschläge sollten Sie unbedingt für Ihr Marketing beachten

1. Lernen Sie Ihre Zielgruppe kennen und sprechen Sie sie mit passenden Inhalten an.

2. Stellen Sie Ihre Arbeit in den Mittelpunkt und verknüpfen Sie sie clever mit Ihrer Person und Ihrem Büro.

3. Machen Sie sich mit Suchmaschinen und der Optimierung für diese (SEO) vertraut.

4. Halten Sie all Ihre Kanäle auf dem aktuellsten Stand.

5. Pflegen Sie die Beziehungen zu Ihren treuen Kunden, zum Beispiel über Newsletter.

6. Seien Sie in Ihren Bildern und Texten authentisch, konsistent und glaubwürdig.

7. Investieren Sie in gute Architekturfotografie.

8. Stellen Sie sich ein erfahrenes Team zusammen: Sie benötigen einen Texter, einen Webdesigner und natürlich einen Architekturfotografen ;-)

9. Planen Sie feste Zeitslots für Ihr Marketing ein.

10. Nutzen Sie mindestens 5 Maßnahmen aus den obenstehenden Vorschlägen.

Fazit: Marketing und Fotografie machen Ihre Architektur sichtbar und vermarktbar

Sie kennen nun die wichtigsten Marketingmaßnahmen, um mit Ihrer Architektur sichtbarer zu werden. Wenn Sie die genannten 10 Ratschläge beherzigen, eine Mischung verschiedener Kanäle wählen und sich regelmäßig Zeit für Ihr Marketing nehmen, steht einer erfolgreichen Vermarktung Ihres Büros nichts mehr im Wege.

Bei der Umsetzung von vielen der genannten Themen unterstütze ich Sie gerne oder empfehle Ihnen Spezialisten, mit denen ich bereits erfolgreich zusammengearbeitet habe. Sprechen Sie mich einfach an.

Marketing für Architekten: kompaktes Wissen zum Speichern, Nachschlagen und Teilen

Um noch mehr darüber zu erfahren, wie Sie als Architekt mit guter Fotografie Ihre Reputation steigern und publiziert werden, gibt es hier ein spannendes Angebot: mein kostenloses Whitepaper “Das Marketing erfolgreicher Architekten”. Darin finden sich neben viel Know-How auch diverse Praxistipps, welche sich sofort umsetzen lassen, um das eigene Marketing zu pushen. Hier geht’s zur kostenlosen Anmeldung: philipkistner.com/whitepaper-marketing-erfolgreicher-architekten

Im ersten Teil der Serie erfahren Sie, wie Sie die 10 Funktionen von Architekturfotografie für sich nutzen.

Über den Autor

Architekturfotograf Philip Kistner (Foto: Philip Kistner)

Architekturfotograf Philip Kistner (Foto: Philip Kistner)

Philip Kistner ist selbstständiger Architekturfotograf aus Düsseldorf. Seit 2008 fotografiert er Bauwerke für nationale wie auch internationale Büros.

Mithilfe seiner Werke schafft er den Zugang zur Architektur. Denn die meisten Bauwerke erleben Menschen durch Bilder, ohne sie je besucht zu haben. Seine klare und geometrische Bildsprache erinnert an seinen Mentor Tomas Riehle, einem der stilsichersten Interpreten moderner Architektur. Mit seinen ausdrucksstarken Dokumentationen verhilft Philip Kistner Architekten und deren Bauwerke zu mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Weitere Informationen
Web: philipkistner.com, Instagram: @philipkistner, Linkedin: linkedin.com/in/philip-kistner

 

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