„Web 2.0“ für Architekten und Ingenieure – Teil 1: Die Foto-Plattform flickr

Das Angebot von flickr besteht hauptsächlich darin, Fotos von der eigenen Festplatte, vom Mobiltelefon, von der Digitalkamera oder auch per E-Mail auf eine Internetplattform hochzuladen und sie so für alle Internetnutzer sichtbar zu machen oder auch im Rahmen von anderen Angeboten, z. B. Weblogs, zu publizieren. Dies ist für bestimmte Zwecke nicht nur praktisch, sondern kann auch für das Eigenmarketing eines Architekturbüros von großem Nutzen sein.

Beispiel: die flickr-Seite von Eric Sturm, Herausgeber von Internet-fuer-Architekten.de : flickr.com/photos/ericsturm

Die Teilnehmer können ihre Fotos mit Schlagwörtern (tags) und Beschreibungen versehen und sie damit für andere auffindbar machen. Die Fotos können in Bilderserien (sets) zusammen gefasst werden. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, bestimmte Fotos nicht öffentlich zu machen bzw. nur bestimmten Personen zu erlauben, sie zu sehen.

Die Fotos können von anderen Teilnehmern kommentiert und als “favorite” markiert werden. Die Anzahl der Personen, die ein Foto als “favorite” markiert haben, sowie die Anzahl der (Fremd-)Aufrufe insgesamt werden für jedes Bild angezeigt und erzeugen eine Art “Wettbewerbscharakter” dieser Bilderschau. Die Häufigkeit der Aufrufe eines Bildes entscheidet auch über die Anzeigeposition in den Suchergebnislisten, je öfter ein Bild angesehen wurde, desto “more interesting” ist es im System und desto prominenter (sprich: weiter vorn) wird es bei einer Suchanfrage präsentiert. Jeder Teilnehmer verfügt über ein profile, in dem nähere Angaben zur Person gemacht werden können, die dann von Besuchern online abrufbar sind.

Screenshot: flickr-Fotos von Eric Sturm
Screenshot: flickr-Fotos von Eric Sturm

flickr wächst nach wie vor sehr stark und wurde im Sommer 2005 von yahoo! gekauft. Yahoo möchte damit natürlich an die große und interessante Zielgruppe der flickr-Nutzer heran kommen. Dies zeigt das ökonomische Gewicht, das das Angebot inzwischen hat. Der Nutzer hat den Vorteil, dass er mit der Anmeldung (die über yahoo! läuft) gleich das Angebot von yahoo! (Mail, Messenger, My Yahoo! etc.) mitbenutzen kann.

flickr wird durch seine schiere Größe aber auch immer mehr eine wichtige Anlaufstelle z. B. für Journalisten, denn ähnlich wie Google schriftliches Material zu allen erdenklichen Themen aus dem Web herausfiltert, liefert flickr die Bilder zu allen möglichen Themen. Eine perfekte Möglichkeit also für Sie als Architekt oder Ingenieur, andere auf Ihre Arbeit aufmerksam zu machen!

Imagebildung und Online-Marketing mit flickr

Wenn Sie jetzt denken “Was nützt es, wenn ich irgendwo Fotos in die Welt setze, davon bekomme ich auch keinen neuen Auftrag!” lesen Sie bitte nicht weiter. Denn Sie haben Recht: Weder durch die Nutzung von flickr noch durch den Betrieb einer Büro-Website werden Sie einen DIREKTEN Auftrag erhalten. Diese Massnahmen können immer nur Teile einer Marketingstrategie sein. Hier geht es um erfolgreiches (indirektes) Online-Marketing und um nachhaltige Imagebildung, sowohl in der Fachwelt als auch in der allgemeinen Öffentlichkeit. Um dieses Marketing positiv zu beeinflussen, haben wir im Folgenden einige Hinweise für die optimale Benutzung von flickr zusammen gestellt.

Suchmaschinen-Relevanz

Ein wichtiges Argument für die Benutzung von flickr ist die Tatsache, dass alle dort hinterlegten Einträge, Foto-Beschreibungen etc. von Suchmaschinen wie Google indexiert werden und Ihnen so (indirekt) Interessenten/Besucher zuführen können. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang die Verlinkungen, z. B. in Ihrem profile oder in den Bildbeschreibungen (descriptions): sie verbessern – wenn sie z. B. auf Ihre Büro-Website zeigen – die interne Bewertung Ihrer Website bei Google.

Ihre Fotos (im weitesten Sinn)

Als Architekt, Stadtplaner oder Ingenieur realisieren Sie Bauprojekte oder stellen Entwürfe und Pläne für Bauwerke her, z. B. in Form von Studien oder Wettbewerbsbeiträgen. Diese projektbezogenen Ergebnisse lassen sich hervorragend bei flickr veröffentlichen:

  • Fotos von echten, realisierten Gebäuden,
  • Fotos von der Baustelle in allen möglichen Stadien,
  • Modellfotos,
  • 3D-Renderings oder Simulationen etc.

Nicht zu vergessen sind die nicht-projektbezogenen Bilder, also die wichtigsten (fotografischen) Informationen über Sie und Ihre Büro:

  • Mitarbeiterporträts,
  • Fotos Ihres Büros (von innen, von außen, Mitarbeiter am Arbeitsplatz etc.)
  • Screenshots Ihrer Website
  • Fotos von Veranstaltungen, Vorträgen, Ausstellungen, Richtfesten etc.

Schlagwörter (tags)

Mit den tags verschlagworten Sie Ihre Fotos und ermöglichen dem System, diese Bilder z. B. bei Suchanfragen zuzuordnen. Sie können relativ viele tags angeben, daher empfehlen wir, von dieser Möglichkeit reichlich Gebrauch zu machen. Je größer das Angebot bei flickr wird, desto wichtiger ist es, detaillierte Schlagwörter zu verwenden und diese zu hierarchisieren.
Beispiel: Dem Foto eines Bauprojekts in Berlin-Kreuzberg sollten Sie nicht nur das geografische tag “berlin”, sondern auch “kreuzberg” und den jeweiligen Straßennamen o. ä. geben.

Experimentieren Sie doch einmal selbst mit verschiedenen tags, welche Bilder bei flickr momentan darunter zu finden sind. Rufen Sie einfach im Browser eine Adresse nach dem Muster http://www.flickr.com/photos/tags/und-hier-steht-ihr-tag auf. Wichtig: wollen Sie auch internationale Besucher auf Ihre Bilder aufmerksam machen, sollten Sie die tags natürlich auf Deutsch und Englisch vergeben.

Screenshot: Suchergebnis für "baustelle berlin"
Screenshot: Suchergebnis für „baustelle berlin“

Bildbeschreibungen (descriptions)

Sie können jedes Foto mit einer Beschreibung versehen. Diese Beschreibung ist nicht nur ein gutes Instrument, um Besuchern weitere Informationen z. B. über das abgebildete Bauprojekt zu geben. Sie ist auch relevant für die Listung Ihrer flickr-Seite(n) sowohl in der internen Suchmaschine als auch in externen Suchmaschinen wie Google. Besonders interessant ist die Möglichkeit, in der Beschreibung Links zu externen Seiten setzen zu können, z. B. zu einer weiterführenden Beschreibung eines Bauprojekts auf Ihrer Büro-Website. Verlinkungen in der Beschreibung müssen Sie in HTML eingeben. Das ist aber nicht schwer, hier ein Beispiel:
Ihr Linktext

Das “profile”

Nutzen Sie die Möglichkeit, sich und Ihre Arbeit hier vorzustellen. Die etwas albernen Fragen, z. B. ob Sie “single” oder “taken” sind, müssen (und sollten) Sie nicht beantworten. Eine “zweisprachige” Version ist ratsam. In jedem Fall sollten Sie einen Link auf die Website Ihres Büros setzen. Die Verwendung von HTML ist in den Texten des profiles, aber auch in den Bildbeschreibungen, erlaubt und sollte genutzt werden, um die Texte übersichtlicher zu machen.

Der “screen name”

Wie viele andere Angebote, die man zum “Web 2.0” zählen kann, treten die Nutzer (über ihr profile) auch bei flickr als “echte” Personen auf. Zwar sind Benutzernamen (hier: screen name) wie mickeymouse möglich, fürs Marketing jedoch nicht optimal. Nehmen Sie am besten Ihren Vor- und Nachnamen, evtl. zusammen mit Ihrem Firmennamen, als screen name. Zwischenräume sind erlaubt und sinnvoll. Für einen Architekten könnte der screen name dann also z. B. Markus Adler (ARP-Architekten) lauten.

Das “buddy icon”

Ihr sogenanntes “buddy icon”, ein kleines, 48 × 48 Pixel großes Bildchen, mit dem Sie neben Ihren Bildern repräsentiert werden, sollte idealerweise ein klar erkennbares (Achtung Kontrast!) Porträtfoto sein. Denkbar wäre natürlich auch ein Firmenlogo, sofern vorhanden.

Bild-Kommentare (comments)

Zu jedem Bild können andere flickr-Nutzer – sofern Sie diese nicht in Ihren Einstellungen deaktiviert haben – Kommentare hinterlassen. Sie selbst können das natürlich bei anderen auch tun.Sofern Sie etwas sinnvolles zu sagen haben, ist es durchaus ratsam, diese Möglichkeit zu nutzen, denn mit jedem Kommentar steigt die Wahrscheinlichkeit, dass andere Ihre Fotoseite bei flickr besuchen bzw. die von Ihnen gesetzten Links in den Kommentaren folgen, z. B. auf Ihre Büro-Website. Von “Kommentar-Spam”, also stark werblichen, aufdringlichen verlinkten Einträgen in den Kommentarfeldern raten wir dringend ab.

contacts, groups und testimonials

flickr versteht sich als community und bietet daher den Nutzern die Möglichkeit, untereinander in Kontakt zu treten. Jeder Nutzer hat z. B. ein eigenes flickr-Postfach, über das Nachrichten an andere Nutzer gesendet werden können.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, andere Nutzer als “Kontakte” (contacts) oder als testimonials zu führen (die dann auf der eigenen Foto-Seite bzw. dem profile angezeigt werden).
Man kann den verschiedensten Interessengruppen (groups) beitreten, um mit den anderen Mitgliedern die jeweiligen Gruppen-Themen zu diskutieren. Marketing-technisch gesehen sind diese Möglichkeiten grundsätzlich interessant, da mit steigender Vernetzung natürlich auch die Aufmerksamkeit für die eigenen Bilder steigt. Die Teilnahme an diesen community-Elementen kostet allerdings auch Zeit. Daher ist es aus unserer Sicht völlig ausreichend, sich zunächst auf die einfache Publikation von Fotos – siehe oben – zu beschränken.

flickr im Büroalltag

flickr kann nicht nur für Marketingzwecke eingesetzt werden, sondern auch bei verschiedenen Aufgaben im Büroalltag – in der internen und externen Kommunikation – eine große Hilfe sein.
Einsatzbeispiele:

  • Baustellenfotos werden vom Bauleiter per Mobiltelefon an flickr gesendet und stehen Kollegen, Projektpartnern oder Bauherrn sofort zentral zur Verfügung
  • flickr als zentrales Fotoarchiv, das z. B. den Baufortschritt eines Projekts online dokumentiert
  • Bereitstellung von (großen) Bilddateien für Journalisten. flickr erzeugt automatisch verschiedene Größen desselben Bilds, die dann bequem in der gewünschten Größe herunter geladen werden können.
  • Als zentrale Ablage von Modellbildern oder Entwürfen, die über die Kommentarfunktion von verschiedenen Projektteilnehmern “besprochen” bzw. kommentiert werden können.

Fazit

flickr ist nicht nur ein praktisches Arbeitsmittel bei der Verwaltung und Bereitstellung von Bilddateien im Internet. Richtig eingesetzt ist es ein hervorragendes Instrument, um das Online-Marketing Ihres Büros positiv zu unterstützen. Es bietet vielfältige Möglichkeiten, die Fachöffentlichkeit, aber zunehmend auch Multiplikatoren wie Journalisten auf Ihr Büro und Ihre Arbeit aufmerksam zu machen.

02.04.2006

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