„Segen oder Fluch? Was bringt mir Social Media?“ – Interview zu Digitalisierung und Kundenansprache anlässlich der Messe „Dach+Holz“

Auf der diesjährigen DACH+HOLZ International (20. bis 23. Februar 2018 in Köln) geht es neben den klassischen Verarbeiter- und Architektur-Themen wie Energieeffizienz, Gebäudesanierung, Brandschutz im Holzbau oder Arbeitssicherheit auch um die Digitalisierung. Am Donnerstag, 22. Februar halte ich um 13:30 Uhr einen Vortrag im Messe-Forum und werde erläutern, welche Vorteile smarte, digitale Lösungen unter anderem in der Kundenansprache bringen.

Im Vorfeld der Messe stellte mir das Presseteam der DACH+HOLZ ein paar Fragen, inwieweit sich die Nutzung von Social Media für Handwerksbetriebe lohnt, worauf es ankommt und nicht zuletzt: wieviel Zeit und Geld der Spaß kostet. Das Interview ist vielleicht auch für den ein oder anderen Architekten oder Ingenieur interessant.

Herr Sturm, Sie sind seit 15 Jahren als Blogger im Bereich Architektur und Bauen aktiv. Wie sind Sie dazu gekommen?

Meine Architektur-Diplomarbeit im Jahr 2000 hieß „unternull.de – ein Schwimmbad unter dem Alexanderplatz“. Ich habe dafür nicht nur Pläne gezeichnet und Modelle gebaut, sondern auch meine erste Website gestaltet. Die kam super an, erstaunlicherweise auch bei den Medien, vom Lokalfernsehen und -radio über Tageszeitungen bis hin zur BILD-Zeitung. Da habe ich gemerkt: Architektur interessiert die Leute, wenn man sie gut verständlich und mit tollen Bildern im Netz präsentiert.

Eric Sturm (Foto: Fred Wagner, WWS Film Berlin)

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie mit Social Media gemacht?

Spontan fallen mir eigentlich nur positive Dinge ein: Als ich mich 2007 selbständig gemacht habe, kamen via XING die ersten Kundenkontakte und Aufträge. Bis heute nutze ich die Plattform gerne für das digitale Networking. Via Twitter hole ich mir seit zehn Jahren Fachinformationen, entdecke interessante Leute, Firmen oder Themen. Instagram ist für mich eine super Inspirationsquelle in Sachen Architektur. Und über Facebook kann man bestens mit alten Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben, finde ich. Auf allen Plattformen veröffentliche ich natürlich auch selbst, zum Beispiel Bilder von fertiggestellten Websites oder Seminartermine. Eine bessere und günstigere Werbeform kann ich mir gar nicht vorstellen.

Warum empfehlen Sie Handwerksbetrieben, soziale Netzwerke aktiv zu nutzen? Wie können sie davon profitieren?

Wie alle Dienstleister leben auch Handwerker von ihrem guten Ruf – oder neudeutsch ausgedrückt: von ihrem Image. Und das Bild, das Interessenten oder Kunden von einem Betrieb haben, wird heutzutage eben auch im Internet geprägt, weil sich viele Kunden zuerst online informieren. Eine Website gehört also als Grundausstattung unbedingt dazu und wer ein bisschen mehr tun will, sollte auch die eine oder andere Social Media-Plattform nutzen. Das lohnt sich übrigens auch jetzt, wo die Auftragsbücher wegen des Baubooms voll sind: Ein moderner Betrieb, der im Netz sympathisch rüberkommt, findet leichter gute Mitarbeiter, als ein Handwerker, der nur in einem Branchenbuch steht!

Wie viel Fachwissen ist hierzu notwendig?

Eigentlich recht wenig, denn die Plattformen sind inzwischen so „laientauglich“, dass jeder, der ein Smartphone (zum Fotografieren) und einen Computer hat, einfach loslegen kann. Kleiner Tipp: Einsteiger sollte nicht gleich die eigene Unternehmensseite auf Facebook oder Twitter anlegen. Zum „Üben“ macht es Sinn, erst mal ein privates Profil anzulegen und die verschiedenen Funktionen auszuprobieren. Ganz wichtig auch: Erst mal gucken, was die anderen so machen, also die Wettbewerber aus der eigenen Branche, die Handwerksorganisationen oder die Berufsverbände.

Welche Kanäle und Aktivitäten lohnen sich? Wie viel Zeit und Geld kostet das?

Kurze Antwort: An Facebook kommt (noch) niemand vorbei, da sollte man unbedingt vertreten sein. Instagram ist super, wenn man jüngere Leute erreichen will und gutes Bildmaterial hat. Und Twitter ist optimal, um Politiker, Verbandsleute und vor allem Journalisten zu erreichen. Alles Weitere erzähle ich dann in meinem Vortrag auf der DACH+HOLZ! Zum Thema Kosten: Ein paar Stunden pro Monat und – wenn man einen Dienstleister beauftragt – ein paar Hundert Euro muss man dafür natürlich schon investieren. Aber ich finde, es lohnt sich. Und man kann vielleicht an einer anderen Stelle sparen, zum Beispiel bei den Stellenanzeigen in den klassischen Medien.

Ist es für Handwerksbetriebe ratsam, seine Kunden und Follower hinter die Kulissen blicken zu lassen, zum Beispiel mit Werkstattbildern und Impressionen vom Arbeitsalltag?

Solche Sachen finde ich super und sie kommen meistens am besten an. Natürlich wird jeder Betrieb seine eigene Strategie entwickeln: Die einen wollen als besonders innovativ wahrgenommen werden und posten auch mal technische Details, die anderen setzen vielleicht einen Schwerpunkt auf die Personalgewinnung, da steht dann mehr das Team im Vordergrund. Aber grundsätzlich gilt: Eine gute Mischung von „Hochglanz-Bildern“, zum Beispiel von neuen Projekten, und dem Blick hinter die Kulissen ist optimal.

Wo erhalten Handwerksbetriebe neben einem Messebesuch fachliche Unterstützung beim Thema Social Media?

Natürlich bei Webdesignern wie mir! (lacht). Aber man muss auch nicht gleich zu einer Agentur oder einem Berater gehen. Um einen Überblick zu bekommen, rate ich zu einem Seminarbesuch. Institutionen wie die örtliche Handwerkskammer oder die Volkshochschulen bieten dafür gute Schulungen und Vorträge an. Übrigens sind auch die Seminare der Architektenkammern, wo ich meine Seminare halte, für Nicht-Mitglieder offen. Nach so einem Seminar hat man das erforderliche Grundlagenwissen und kann mit Social Media loslegen!

Herr Sturm, besten Dank für das Gespräch!

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