Baukommunikation: Firmenkultur erlebbar machen

Gastbeitrag von Herbert Imbach, FatzerImbach, Zürich

Gute Information kann Verzögerungen und Reibungsverluste in Projekten vermeiden. Damit sind die Möglichkeiten effizienter Baukommunikation aber noch lange nicht ausgeschöpft: Immer mehr Unternehmen sehen im Bauprozess eine Chance, ihre Firmenkultur fassbar zu machen.

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Pflicht und Kür

Frühzeitige und proaktive Kommunikation, um Nachbarn zu informieren oder gar Einsprachen zu verhindern, gehört heute zum Standardrepertoire eines gut geführten Bauprojektes. Immer öfter gehen professionelle Bauherren jedoch einen Schritt weiter. Angesichts des erheblichen Investitionsvolumens überrascht es nicht, dass die Zahl der Bauherren steigt, die Architektur als zentrales Element der Kommunikation von Unternehmens- und Markeninhalten einsetzen. Der langfristige emotionale Wert, der hier erzielt werden kann, wird in den Wirtschaftlichkeitsrechnungen dieser Unternehmen zunehmend berücksichtigt.

Nicht erst die fertige Architektur prägt das Image eines Unternehmens. Auch der ganze Werdegang von der Planung, über die Projektierung, bis zur Realisierung der Bauten hat eine tiefgreifende Wirkung auf die Kunden, die Öffentlichkeit und in besonderem Mass auf die Mitarbeitenden. Kein Bauvorhaben verläuft unbeachtet. Bauprojekte generell genießen eine hohe (Medien-) Resonanz. Selten erhält ein Unternehmen in der Öffentlichkeit so viel Aufmerksamkeit wie während der Bauzeit eines neuen Firmengebäudes. Umso mehr, wenn sich der Bau an einer prominenten Stelle in der Stadt befindet. Der Bauprozess kann im und ausserhalb des Unternehmens als identitätsbildender, fassbarer Ausdruck und Tatbeweis einer gelebten Unternehmenskultur genutzt werden. Mitarbeitende und eine Vielzahl von externen Zielgruppen können über ganz neue Themengebiete angesprochen werden. Der Baufortschritt und die damit verbundenen Meilensteine bieten dazu ideale Plattformen. Ein Grossteil der Unternehmen – gerade im Dienstleistungsland Schweiz – agiert in einem abstrakten Umfeld. Viele ihrer Produkte und Leistungen sind weder sicht- noch greifbar. Ganz anders bei einem Bauprojekt. Themen wie der eigene Umgang mit Ressourcen, Qualität, Innovation und vieles mehr lassen sich hier anhand ganz konkreter Beispiele aufzeigen. Baukommunikation baut auf Ereignissen auf, die Inhalte sicht- und erlebbar machen.

Diese einmalige Chance für die interne und externe Kommunikation erlaubt es dem Unternehmen, näher an seine primären Anspruchsgruppen zu treten. Mitarbeitende und politische oder private Interessenvertreter können in den Veränderungsprozess einbezogen werden und sich als Beteiligte fühlen, indem sie sich und ihre Anliegen in den Kommunikationsaktivitäten wiedererkennen. Dazu gehört auch, dass kontroverse Hintergründe dargestellt und Meinungen rund um ein Projekt aufgenommen und kommentiert werden. Kommunikation ist dazu da, Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufzubauen. Ein Prozess, der nur mit vollständiger, ehrlicher Informationen und im Dialog möglich ist.

Website: Mehr als eine Broschüre im Netz

Im Rahmen eines Bauprojektes bieten sich vielfältige Möglichkeiten, mit den relevanten Zielgruppen in Kontakt zu treten. Dazu gehören Veranstaltungen für Mitarbeitende und die Nachbarschaft, offizielle Meilensteine wie die Grundsteinlegung oder auch die Inszenierung des Bauplatzes, von der Bauverkleidung über Gebäudebeschriftungen und Großplakate bis hin zur Gestaltung des Bauzauns.

Viele grössere Bauvorhaben führen eine Website. Die meisten dieser Seiten beschränken sich allerdings auf grundsätzliche Informationen zum Projekt. Sie sind eher statisch und bieten allenfalls eine Newsrubrik oder eine Webcam, die über den aktuellen Stand des Projektes informieren. Solche Seiten finden in der Regel wenig Beachtung und werden von den meistern Interessierten nur einmal besucht. Damit eine Website zu einem effizienten Kommunikationsmittel wird, müssen die Menschen dahinter spürbar sein. Laufend neue Inhalte in Form von Texten, Interviews, Portraits, Fotos, Infografiken und Videos dokumentieren den Fortschritt des Projektes. Gleichzeitig ermöglicht die Seite einen Dialog, indem sie Beteiligte und Interessierte dazu aufruft, sich einzubringen. Parallel zum Projekt verändern sich auch die aktuellen Inhalte und die Aufhänger der Startseite permanent, vergleichbar mit einer Zeitungs- oder Magazinseite. Dabei sind Fotos und insbesondere Videos mit Abstand die erfolgreichsten Medien im Internet. Voraussetzung ist, dass sie eine klare Botschaft emotional vermitteln und gestalterisch dem Niveau des Unternehmens entsprechen.

Kosten im Gesamtprojekt integrieren

Im Baukostenplan (BKP) gibt es heute keine Position für Kommunikationsleistungen. Die wenigen aufgeführten Massnahmen (Pos. 501.24 Medienkonferenz, Pos. 566 Aufrichte, Einweihung oder Pos. 568 Baureklame, Inserate) bilden die anfallenden Leistungen nur unvollständig ab. Die Folge ist, dass notwendige Kommunikationsleistungen oft über Nachtragskredite finanziert oder nachträglich dem Marketingbudget des Unternehmens aufgebürdet werden. Um eine erhöhte Planungssicherheit zu schaffen, sollen Kommunikationsleistungen deshalb bereits im BKP erfasst werden. Durch eine Budgetierung wird das Bewusstsein für Kommunikation sowohl für die Ereigniskommunikation als auch die langfristige Markenbildung gestärkt.

Über den Autor

Herbert Imbach

Herbert Imbach

Herbert Imbach, Dipl. Arch ETH, hat sich als Partner der Kommunikationsagentur FatzerImbach auf Öffentlichkeitsarbeit für Hoch- und Tiefbauprojekte spezialisiert.
Zu den Kunden zählen sowohl private Bauherren als auch die öffentliche Hand.

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